63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 507
lieh technischer Hinsicht kam übrigens die Lagerkunst bei den Kömernnicht über die unter Cäsar erlangte hohe Stufe hinaus.
Im Allgemeinen ist zu sagen, dass die Castrametatio im Alterthumebei keinem Volke eine solche Entwickelung, Vollkommenheit und Kunst-höhe erreichte, wie bei den Römern, und zwar sowohl in der besten Zeit derRepublik, als zur Zeit der Bürgerkriege, namentlich unter Cäsar, alsauch zur Zeit des Kaiserreichs. Selbst bei Griechen und Macedoniernstand sie weit hinter der bei den Römern erlangten Höhe zurück. Diehauptsächlichste Ursache davon waren die besonderen Eigenschaftender Formations- und Kampfweise der Truppen, sowie des ganzen Kriegs-systemes derselben.
§. 458.Befestigungskunst.
Die Befestigungskunst ist fast noch älteren Ursprungs als die La-gerkunst. Schon mit Beginn des Sesshaftwerdens der Menschen undVölker musste nothwendigerweise das Erforderniss eines Schutzes derWohnungen gegen feindliche Angriffe hervortreten. Diese Absicht suchteman Anfangs wahrscheinlich durch künstliche Umzäunungen von Holzoder von Steinen zu erreichen, später durch Anlage grösserer Nieder-lassungen, besonders Städte, auf schwer zugänglichen oder ganz unzu-gänglichen Punkten, z. B. hohen Bergen, steilen Felsen, Vorgebirgenim Meere u. s. w. So entstand früher als alle übrigen die perma-nenteFortification, und erst später die passagere, oder eigent-liche Kriegs- oder Feldfortification.
Die Entwickelung und Vervollkommnung der ersteren erfolgte un-zweifelhaft auf ganz naturgemässe Weise. Die ersten Schutzwehren oderVerschanzungen bestanden aus Erdwällen mit Gräben und Pfahlzaun undmit hölzernen Thürmen. Später wurden die Wälle und Thürme von Stei-nen erbaut, am frühesten in Aegypten und Asien, zum Schutze der Resi-denzen und Hauptstädte, dann auch der übrigen Städte. Der grosseUmfang der bedeutenderen Städte führte zu den in Höhe und Dicke mäch-tigen Dimensionen der steinernen Mauern, welche die Städte in einer,zwei und mehreren Reihen umschlossen, mit Thürmen, Gräben, Tho-ren und inneren Festungen (Citadellen) auf dem höchsten Punkte mittenin der Stadt. Die gewaltigsten Städte und Festungen des Orients warenim Alterthum Ninive, Babylon, Ekbatana undPersepolis, deren Beschrei-bung bei Herodot und Diodor in Erstaunen setzt, aber durch dienoch vorhandenen Ruinen derselben bestätigt wird. Sie sind Beispielefür die überaus bedeutende Entwickelung der Befestigung grosser Städteoder der permanenten Fortification im alten Asien.