63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 497
während des Kampfes im Alterthum zu machen. Sie dienen nicht alleinzur Charakteristik des Zustandes der Kriegskunst zu einer gewissen Zeit,sondern auch zum Beweise dafür, dass alle diese Verhältnisse aus dengeistigen und moralischen Fähigkeiten der Feldherren herfiiessen. Darumist deren Erforschung und Studium in der Kriegsgeschichte höchst in-teressant und lehrreich. Auch schon die Schlachten der ältesten Zeitenbieten mehr oder weniger Beispiele hierfür. So schickte in der Schlachtzwischen dem spartanischen Könige Theopompus und den Messeniernunter Führung des Euphaes dieser Letztere, als die rechten Flügelbeider Heere geschlagen waren, die Reiterei seines linken Flügels demrechten zu Hülfe, wodurch hier das Gefecht wieder hergestellt und derSieg für die Messenier entschieden wurde. Dasselbe that mit gleichemErfolge der spartanische König Agis in der ersten Schlacht bei Mantinea,indem er das Fussvolk und die Reiterei seines rechten Flügels, welcherbereits gesiegt hatte, dem linken zu Hülfe schickte. Bei Ithome verwen-deten die Spartaner ihre Reservecavallerie zur Unterstützung ihres um-fassten linken Flügels; sie wurde aber selber durch das schwere undleichte Fussvolk, welches in einem Hinterhalt hinter dem rechten Flügelder Messenier gelegen hatte, umfasst und in Folge dessen der Flügelder Spartaner auf das Centrum zurückgedrängt. Bei Caprusema operir-ten der spartanische Feldherr Anaxander und der messenische Ari-stomenes so, dass der Sieg auf dem angreifenden linken spartanischenFlügel entschieden werden sollte. Anaxander schickte seine Reserve-cavallerie zum Angriff auf die rechte (äussere) Flanke des rechten mes-senischen Flügels, und Aristomenes ebenso seine Reservereiterei vonseinem rechten Flügel zum Angriff auf die linke Flanke der spartanischenReiterei, was dann den Sieg entschied. In der Schlacht bei Plataeamachten, als die Spartaner auf dem rechten Flügel sich im Kampfe mitden Persern befanden, die Athener vom linken Flügel einen Flanken-marsch nach rechts, jenen zu Hülfe, wurden aber selbst in ihrer linkenFlanke durch die mit den Persern verbündeten Griechen von deren rech-tem Flügel her angegriffen und dadurch genöthigt Front zu machen. DieSchlacht bei Olpae wurde zu Gunsten der Athener entschieden durch diegleichzeitige Bewegung eines Theiles von ihrem Fussvölke aus einemHinterhalte hinter ihrem rechten Flügel, und der Reservereiterei aus derMitte der Linie heraus gegen die Flanke und den Rücken beider sparta-nischer Flügel, welche Bewegung den Sieg errang. Dasselbe geschahauch in der Schlacht bei Oropus.
Die Schlacht bei Kunaxa bietet mehrere verschiedene Momente,welche Anlass zu besonderen Bewegungen und endlich gewissermaassenzu einer zweiten Schlacht unter vollkommen veränderter gegenseitigerStellung beider Theile gaben. So erfolgte in dem ersten Momente der
Gtilitzin, Allgem. Kriegsgebchiclite. 1,5. 32