496 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
des römischen Heeres war. Die Schlacht Scipio's bei Ilinga hingegenzeigt einen äusserst geschickten Angriff in schräger Schlachtordnung mitbeiden Fitigeln, auf jedem das schwere Fussvolk, dem auf den äusserenFlügeln das leichte Fussvolk und die Reiterei angehängt war. Die Schlach-ten Cäsar's hatten einen von den früheren Schlachten der Römer vollständigverschiedenen Charakter. Auch bei ihnen ist, wie bei denen Alexander's,in Cäsar's Angriffsdispositionen die Absicht vorhanden, die Hauptkräfteauf den entscheidenden Punkt des Schlachtfeldes und der feindlichenSchlachtlinie zu dirigiren. Gleich Alexander war auch Cäsar dabeiMeister in der Verwendung seiner Cavallerie zur Mitwirkung mit demFussvolke. Seine Gegner waren stets stärker und zugleich furchtbarer,als die Alexander gegenüber stehenden Perser, namentlich in Gallien —die Gallier, und während der Bürgerkriege römische Truppen und römi-sche Feldherren. Dies Alles zusammen beraubte ihn oft des Vorzugesder Initiative bei seinen Maassregeln, so dass er häufig unverrnuthet inseinen Lagern oder auf dem Marsche angegriffen wurde und sich zu ver-theidigen gezwungen war. Dem Allen konnte er nur seine ungewöhn-liche Begabung, die Kraft seines Verstandes und Geistes entgegen setzen.In der ersteren fand er unerschöpfliche Quellen und Mittel zur Ueber-windung aller erdenklichen Hindernisse, in den letzteren aber die Festig-keit und Standhaftigkeit zur Bewältigung aller Gefahren und zur Beherr-schung aller Umstände und Zufälligkeiten, wie bedrohlich sie immerhinfür ihn sein mochten. Häufigen Angriffen sehr zahlreicher Heere ausge-setzt, musste er zu den verschiedensten Vorsichts- und Defensivmaass-nahmen schreiten, taktischer wie fortificatorischer Art. Dabei liess eraber niemals die Offensive und Angriffsoperationen aus dem Auge, da erin denselben das beste Mittel zu seiner Defensive erkannt hatte. Seinefortwährende numerische Schwäche aber gestattete ihm nicht, gleichAlexander d. Gr., durch eine Bewegung und mit einem Schlage den Siegzu entscheiden. Die feurige Tapferkeit seiner Gegner hätte immer seinenAngriff in schräger Schlachtordnung durch entgegengesetzte Maassregelnvereiteln können. Beim Angriff stürzte er sich auf den schwächstenPunkt des Gegners, bei der Vertheidigung dagegen wartete er den ge-eigneten Moment zum Angriffe ab. Für beide Fälle hielt er einen Theilseiner Truppen in Reserve, um diese entweder dem bedrohten Punkte zuHülfe schicken, oder sie gegen die schwachen Punkte des Gegners inFlanke und Rücken verwenden zu können. Das war der allgemeineCharakter seiner sämmtlichen Schlachten.
Zum Schluss erübrigt noch, einige allgemeine Bemerkungen bezüg-lich einiger besonderer Bewegungen, Maassnahmen und Verhältnisse