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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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63. Allgemeiner" Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 495

hielt den rechten zurück, bei Leuktra mit dem Fussvolk allein, bei Man-tinea dagegen mit Fussvolk und Reiterei gemeinschaftlich, was schoneinen grossen Fortschritt der Taktik der damaligen Zeit bedeutete.

Diese Erfindung des Epaminondas wurde in der Folge von Alexanderd. Gr. mit ungewöhnlichem Erfolge und Geschick angewendet, welchervermittelst derselben seine vier berühmten, ihm halb Asien unterwerfendenSiege erfocht. Und indem er zugleich sie geschickt den Umständen an-passte, vervollkommnete er sie noch erheblich. Da er eine an Zahlschwache und (mit Ausnahme der griechischen Söldner) sehr vielschlechtere Infanterie, als seine eigene war, dagegen eine sehr starkeund ausgezeichnete Cavallerie sich gegenüber hatte, so war er genöthigt,vor allen Dingen diese letztere zu zersprengen, und dann erst das Fuss-volk zu besiegen. Deshalb nahm er vor seinen angreifenden Flügel (denrechten, am Granicus auch den linken; die macedonische Reiterei unddahinter das macedonische" Fussvolk, als die besten Kerntruppen. Dieerstere formirte er in mehreren Linien, deren vorderste zum Frontal-angriff bestimmt war, während die anderen den Angriff auf Flanke undRücken ausführen sollten. Den Angriff richtete er immer in der Diago-nale schräg auf die feindliche Schlachtordnung, und nur in der Schlachtbei den persischen Pforten oder Engpässen stand er, aus besonderenGründen, parallel zu derselben, fasste dann aber durch eine Umgehungsie im Rücken. Auf der Diagonale in schräger Richtung marschirend.wendete sich nach Erreichung des feindlichen anzugreifenden Flügelssein ganzes Heer in Front gegen den Feind und griff ihn in Flanke undRücken an. Das waren die allgemeinen und Haupt-Züge der AngriffeAlexander's d. Gr. in schräger Schlachtordnung: aber dabei hatten sie injeder Schlacht doch noch ihre besonderen Eigenthümlichkeiten, den Um-ständen entsprechend, und bei jeder Gelegenheit mit den Hauptangriffs-maassregeln auch defensive Anordnungen verbindend.

Nach Alexander d. Gr. gerieth, wunderbarer Weise, die schrägeSchlachtordnung vollständig in Vergessenheit. Kein Einziger vonAlexander's Nachfolgern wendete sie mehr an, und die Kriegsgeschichteder Römer bietet, ausser der Schlacht bei Ilinga (Scipio) und derSchlachten Julius Cäsar's, nur parallele Schlachtordnungen mit Um-fassung der feindlichen Flanken, um sie auf das Centrum zurück zuwerfen, ganz so wie es bis zu des Epaminondas und Alexander's Zeitgewesen war. Ja, die Schlachtordnung der Römer in drei Linien weistschon darauf hin, dass sie die Entscheidung des Sieges hauptsächlich inder allmäligen Verstärkung des Frontalangriffes durch eine Linie nachder anderen suchten. Die Schlacht bei Cannae ist ein interessantes Bei-spiel für einen misslungenen verstärkten Angriff der Römer auf das Cen-trum Hannibal's, wovon die Folge die totale Niederlage und Vernichtung