494 IV- Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
einem bergigen und durchschnittenem Terrain aufgestellt waren und sichausserdem noch verschanzt hatten.
Die Schlachten der Kömer bieten schon einige Beispiele für Aus-nutzung des Terrains, wie solche der Legion auch weit eher möglich undleichter war, als der Phalanx. Die Beschaffenheit des Kriegsschau-platzes in Italien bot den Römern selten vollkommen ebene und offeneSchiachfelder dar. Deshalb begegnen wir bei ihnen fast immer An-lehnungen der Flanken an Flüsse oder Berge, und Aufstellungen auf An-höhen oder in Thälern. Darin fand Fabius Cunctator auch das Mittel dietaktische Kunst Hannibal's lahm zu legen. Auch die folgenden Feld-züge der Römer in Italien und Gallien bieten nicht weniger zahlreicheBeispiele einer Ausnutzung des Terrains im Kampfe.
Auf Hindernisse des Vordringens des Feindes gegen die Front derStellung war man anfänglich wenig bedacht, das einzige waren dieFlüsse. Aber in Griechenland waren diese grösstenteils nur unbe-deutend, und nur in einzelnen Schlachten bilden sie ein wichtiges Hinder-niss (z. B. bei Oropus am Asopus-Fluss, und am Crimissus). Im Kriegemit Alexander d. Gr. suchten die Perser und die anderen Gegner des-selben die FlUsse zu benutzen, um ihn aufzuhalten (Granicus, Pinarus,Hydaspes u. s. w.). Aber Alexander überschritt sie Angesichts desFeindes und eröffnete damit die lange Reihe gleich erfolgreicher gewalt-samer Flussübergänge.
Geschickte Hindernisse gegen den Anlauf des Feindes, namentlichBefestigungen, kommen bei den Kriegen im offenen Felde meist nur inzwei Beziehungen vor: zum Schutze des Lagers, und zur Absperrung vonEngpässen.
Die gesteigerten Mittel seitens der Defensive führten zu neuenMitteln der Offensive. Da der parallele Angriff in ganzer Front unterUmfassung der Flanken einem an Zahl überlegenen Gegner gegenüberunausführbar war, so stellte man Letzterem die Reserven der. zweitenLinie entgegen, und das brachte auf den Gedanken, den Hauptangriffmit überlegenen Kräften auf einen, wo möglich schwächsten Punkt derfeindlichen Linie zu dirigiren. Dies war die zweite und bedeutendstetaktische Neuerung. Zu diesem Zwecke wurde der angreifende Flügelverstärkt, die Angriffscolonnen bei ihm formirt, der andere Flügeldagegen zurück gebogen oder auf seinem Platze fest gehalten. Dadurchentstand eine schräge Stellung der eigentlichen Schlachtlinie zu derfeindlichen Front, die sogenannte schräge Schlachtordnung. Er-funden und zuerst eingeführt wurde sie durch Epaminondas, der durchsie seine beiden berühmten Siege bei Leuktra und Mantinea erfocht undsich damit in die Reihe der ersten Feldherren aller Zeiten stellte. Inbeiden Schlachten griff er mit seinem verstärkten linken Flügel an und