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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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G3. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 493

Als die Römer unter den Kaisern längst nicht mehr das waren, wassie zur Zeit der Republik gewesen, da bemühten sie sich, den Mangel anmoralischer Kraft durch taktische Künste zu ersetzen. Uebrigens be-fanden sie sich bei den fortgesetzten Kämpfen gegen die Barbaren imOsten und Westen genau in derselben Lage wie die Griechen in denKriegen gegen die Perser. Deshalb griffen sie auch zu derselben For-mation , in welcher schon die Griechen ihren Schutz gefunden hatten,d. h. zur Phalanx, obgleich die römische Phalanx Nichts mit der grie-chischen gemein hatte, ausser der Form. Auch die moralische Kraft unddie Fähigkeit sie zu verwenden waren wesentlich verschieden: bei denGriechen der Angriff, bei den entarteten Römern die Ver-teidigung, und daher waren auch die Resultate so vollkommen ver-schiedene.

Die Mehrzahl der Schlachten der Alterthums verlief in offenenEbenen, worauf ja die Eigenthümlichkeiten der Phalanx, die Action derReiterei und des Nahegefechtes oder Handgemenges direct hinweisen.Die grösste Freiheit und Fähigkeit zum Kampfe suchten die Kämpfendenin der [möglichsten Unabhängigkeit vom Terrain für das beiderseitigeAufeinanderlosgehen, sie strebten so rasch als möglich an einander zukommen und begannen den Kampf mit gleichzeitigem Angriff von beidenSeiten. Von einer den Gegner stehenden Fusses erwartenden Defensivewar eigentlich keine Rede.

Das Hauptziel des Angriffs war, die schwächsten Punkte derSchlachtordnung des Gegners, d. h. seine Flanken zu treffen, gegenwelche sich daher von beiden Seiten die Anstrengungen richteten, um siezu umfassen und auf die Mitte zurück zu drängen. Und häufig wurdeder eine Theil auf einer oder auf beiden Flügeln besiegt, bisweilen aberauch beide Theile zur selben Zeit auf ihren rechten oder linken Flügeln.

Der Erfindungsgeist des Menschen führte bald dahin, dass man denAngriffsmitteln und Maassregeln des Feindes eben solche Mittel zur Ab-wehr entgegen stellte, in Gestalt besonderer Reserven, welche nicht nurdem Umgehenden entgegen zu treten, sondern ihn selbst zu umfassenbereit und im Stande waren. Ein anderes, obgleich seltener angewen-detes Mittel, einer Umfassung zu entgehen, bestand in der Anlehnungder Flanken an unzugängliche oder schwer zu überwindende Terrain-gegenstände. Unter den Schlachten der Griechen kann als Beispiel fürsolche Verstärkung der Stellung der Truppen, durch das Terrain und fürden Einfluss auf Gang und Schicksal des Kampfes in der späteren Zeitdie Schlacht bei Sellasia angeführt werden, in welcher die Spartaner in