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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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492 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

andere für die Phalanx ungünstige Umstände und Ursachen hinzu, umdie Niederlage derselben herbei zu führen.

Dies Alles beweist, dass nicht immer die Legion der Phalanx ent-schieden überlegen war, aber unbedingt stand doch die Phalanx der Le-gion nach. Die geschickte Verwendung der einen oder anderen bedeutethierbei sehr viel. Einige Legionen Cäsars erlitten sogar durch dieGallier Niederlagen. In den Kriegen mit den Letzteren kam den Rö-mern ganz besonders die Erkenntniss von der Unzulänglichkeit der Le-gionsaufstellung gegenüber einem kühnen und heftigen Choc zu statten.Schon Camillus erkannte es für nöthig, zu diesem Zwecke die erste Linie mitLanzen zu versehen. Später wurden diese an die Triarier in der drittenLinie gegeben, gegen die ungestümen Angriffe aber der Gallier suchtendie Römer sich zu helfen, indem sie die Manipular- in die Cohorten-Stellung verwandelten. Nach Augustus näherte sich die Aufstellung derLegion jener der Phalanx in demselben Grade, wie sie sich in der Zeitdes höchsten Kriegsruhmes der Römer von ihr entfernt hatte. Damitwar denn auch dem Gebrauch der Lanze wiederum grosse Bedeutung ge-geben. .

Einige Kriegs-Schriftsteller halten die Aufstellung der Legion unterden Kaisern für die beste von allen bis dahin zur Anwendung gekom-menen. Aber das ist nicht richtig, denn die grossen Erfolge der Römerwurden vermittelst der Legionsaufstellung in quincunz und in Cohortenerfochten, während mit der Annäherung der Legionsaufstellung an dieder Phalanx und mit der grösseren Entwickelung der Kriegskunst dieRömer die Herrschaft der Welt einbüssten. Daraus folgt, dass alle takti-schen Formen im Alterthum einen relativen Werth hatten, indem sie diemoralische Kraft und den Geist der Nation erhöhten. Die freien Griechenund die kriegskundigen Macedonier sahen die Bürgschaft des Sieges indem Angriff einer Masse von Männern und Lanzen ganz ebenso, wie dieRömer sie in dem Angriff mit dem Wurfspiess und dem Schwerte in derFormation der Legion erblickten. Was beiden Formationen an taktischerVollkommenheit abging, ersetzte die moralische Kraft der Masse und derkriegerische Sinn jedes einzelnen Kriegers. Die Griechen waren beiihren äusseren Kriegen gezwungen, gegen zahllose Gegner und sehrstarke Cavalleriemassen zu kämpfen, gegen welche nur die Formationder Phalanx zu schützen vermochte. Die Römer dagegen, stark imEinzelkampfe und auf ihre Behendigkeit und Gewandheit bauend,wagten es, den Gegner in einzelnen Abteilungen mit Zwischenräumenanzugreifen. Die Formation in Cohorten scheint jedoch die richtigste Mitteund die beste taktische Formation gewesen zu sein. welche dem Mutheder Römer seine Stütze gab und das Mittel zur Erlangung ihrer schönstenErfolge wurde.