63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 491
mehrere Manipel und konnte von ihnen in der Flanke gefasst werden.Die Legion trat nicht ganz und auf einmal in den Kampf ein, sondern mitihren 3 Linien nach und nach, auf einander folgend. So war dasjenige,was bei den Griechen von dem grösseren oder geringeren Geschick derFeldherren abhing, bei den Römern die Grundlage und der Anfang ihrerTaktik.
Unter diesen Umständen musste die Phalanx, von allen Seitenmit den Wurfgeschossen der Römer überschüttet und nach allenSeiten Front zu machen gezwungen, eben hierdurch die Wucht ihresStosses und die Geschlossenheit ihrer Formation einbüssen, es bildetensich Lücken in ihr, in welche die Römer mit ihren kurzen Schwerterneinzudringen vermochten. Sobald aber Verwirrung und Unordnung inihr entstand, hörten gleich alle Vortheile der geschlossenen Masse undder langen Lanzen sogar auf und das römische kurze Schwert konntewiderstandslos würgen.
Indessen kann man um dieses einen Grundes willen die Ueberlegen-heit der Legion über die Phalanx doch nicht ohne Weiteres zugeben. Dierömische Legion und die römische Taktik haben auch ihre schwachenSeiten. Die ganze Front der Legion besass wegen ihrer vielen Intervallenicht die genügende Festigkeit in sich, und ihre einzelnen Theile — dieManipeln — hatten zu viele Flanken. .Das gab dem Gegner die Möglich-keit, ohne Mühe in die Zwischenräume zwischen den Manipeln einzu-dringen und diese letzteren in Flanken und Rücken zu fassen. Jede Ma-nipel war an sich schwach, compakte feindliche Massen in breitererFront konnten leicht einige der Manipeln auf die hinteren Linien zurück-werfen und diese dadurch gleichfalls in Verwirrung bringen. Diese Nach-theile führten die Besiegung der Römer durch Pyrrhus und Hannibalherbei (deren Fussvolk in Phalanxformation kämpfte) trotzdem die Ma-nipeln verdoppelt und die Intervalle zwischen ihnen um die Hälftekleiner gemacht waren. Allerdings muss man dabei auch die überlegeneKunst des Phyrrhus und HannibaFs, sowie die Anzahl der leichten Trup-pen und der Reiterei des Letzteren in Betracht ziehen. Wenn die Römerspäter Hannibal und Hasdrubal besiegten, so geschah dies nicht sowohldeshalb, weil sie die Zahl ihres leichten Fussvolkes und ihrer Cavallerievermehrt hatten, als vielmehr darum, weil ein so ausgezeichneter Feld-herr, wie Scipio, sie anführte.
Aehnliche Erwägungen können die Niederlage der Phalanx durchdie Legionen bei Kynoskephalae, Pydna und Magnesia erklären. Eineder Ursachen dazu war, dass die Phalanx in diesen Schlachten nicht mitgleichem Geschick verwendet wurde, wie durch Alexander d. Gr.,welcher sie stets mit einer grossen Menge von leichten Truppen umgabund verstärkte. Es kamen aber ausserdem bei diesen Schlachten noch