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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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63. Allgemeiner Ueberbliek über die Kriegsgeschichte des Alterthtims. 487

Gründung Roms bis zum Untergange des Weströmischen Reiches, acht.hauptsächliche und fundamentale Formen durchmachte, nämlich: 1) diePhalanx-Aufstellung, unter den Königen, 2) die quincunx oderSchachbrett form, seit Anfang der punischen Kriege, 4) diesel-selbe durch Regulus vervollkommnete Formation aus An-lass der Schlacht gegen die Karthager bei Times, 5) die Cohorten-auf Stellung seit dem Ende des dritten punischen Krieges (nachdemCato Censor sein Werk über die Kriegskunst bereits geschrieben hatte),oder seit dem Anfang der Bürgerkriege, 6) die zweite Cohorten-formation unter Cäsar und bis zuAugustus, 7) die dritte Cohor-tenaufstellung unter Augustus undTrajan,und 8) die neue Auf-stellung in Phalanx unter Trajan und bis zum Untergange desWeströmischen Reiches. Einige besondere Formen der Aufstellung derLegion bei aussergewöhnlichen Gelegenheiten waren: 1) die Testudo(Schildkröte), ähnlich dem synaspismus der Griechen (s. oben), sowohlzur Verteidigung wie zum Angriff, besonders von Feldbefestigungenoder Städten angewendet; 2) der Kreis (orbis) , Front nach allenSeiten gegen einen umfassenden und umzingelnden Feind, obgleichnicht in regelmässiger Kreisform; 3) die viereckige Aufstel-lung [agmen quadratum), innen hohl, in der Marschbewegung, beson-ders gegen einen von allen Seiten angreifenden Feind: 4) der Glo-bus, nicht die eigentliche Schlachtordnung betreffend, sondern eineeinzelne Abtheilung oder Truppencorps, das sich zusammenballt, umsich durchzuschlagen; und 5) der Keil [ciineus) , dessen Bedeutungeine sehr verschiedene war: bald war es ein innen volles Viereck, baldgetrennte Manipeln und Cohorten, bald zum Angriff gegen die in unregel-mässiger Schlachtstellung kämpfenden Barbaren, bald die eigentlicheAufstellung im Keil, wie bei Cannae, bald im strategischen Sinne daskeilförmige Eindringen mit mehreren Colonnen in einem Lande.

Die Kampfart der Legion war in der Hauptsache jener der Phalanxähnlich insofern, als das leichte Fussvolk den Kampf durch Pfeilschüsseund Steinschleudern eröffnete, dann die erste Linie der Legion ihre Halb-lanze oder Wurfspiesse (pilum) auf 25, auch 5060 Schritte Entfernungvom Feinde warf und sofort mit dem Schwerte angriff. Die zweite Linieunterstützte die erste, die dritte, die Triarier, entschied den Kampf.Auch die Reiterei warf zuerst ihre Speere und attakirte dann mit demSchwerte, bisweilen aber, in durchschnittenem, und selbst auch in ebe-nem Terrain, sprang sie vom Pferde und kämpfte zu Fuss. Bei der Be-lagerung von Capua war ihr eine neugebildete besondere Art leichtenFussvolks {jaculatores, Voltigeurs*)) beigegeben, welche hinter den Rei-

*) Eigentlich wohl »Wurfschützen". Anmerk. d. Uebers.