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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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484 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

auf diese Weise bis zum Abenddunkel, am folgenden Morgen wurden dieTodten bestattet, den Sieg entschied meist der Zweikampf der Haupt-h elden oder Fürsten. Für diese Zeit ruhte der allgemeine Kampf, dersich erst wieder erneute, wenn der Zweikampf unentschieden gebliebenwar, oder es sich darum handelte, den Leichnam und die Waffen desGefallenen fortzunehmen oder zu retten.

v Das war die erste Form des Kampfes und der Taktik überhaupt.Dabei kommen noch keine besonderen Bewegungen zur Entscheidungdes Sieges vor. Einmal nur, als die am Tage vorher besiegten Grie-chen einen plötzlichen Angriff der Trojaner fürchteten, wagten sie nicht,aus ihren Verschanzungen mit den Streitwagen vorn und dem Fussvolkdahinter auszurücken, sondern machten es umgekehrt. Sobald das Fuss-volk in den Kampf eintrat, formirten sich nun die Streitwagen unbemerktvon hinten her auf den Flanken und dehnten dadurch die Linie so aus,dass die Trojaner nicht Stand zu halten vermochten und sich zum Rück-zuge unter die Mauern von Troja genöthigt sahen.

Aus alledem folgt, dass der ganze Erfolg des Kampfes von der An-zahl der Kämpfer und deren persönlicher Kraft, Kampffertigkeit undTapferkeit abhing, und dass überhaupt die Schlacht aus einer Reihe vonneben oder nacheinander stattfindenden Zweikämpfen bestand.

Die nächstfolgende zweite Form der Taktik war die Formation,Marsch- und Kampfart in der Form der Phalanx. Der Zweck dersel-ben war die Vermehrung der thätigen Kraft der vereinten und eng zu-sammengeschlossenen Krieger zur Ausführung eines Stosses nach vorherbestimmtem Plane in geschlossener Ordnung und Kampfart. Wie weitauch die ersten Spuren der Phalanx zurück zu verfolgen sein mögen,gewiss ist, dass ihre Anwendung vor Allem und über Alles durch dieGriechen Bedeutung erlangte und bekannt wurde, und deshalb muss sieals die diesem Volke besonders angehörende Form der Aufstellung undArt des Kampfes bezeichnet werden.

Die griechische Phalanx unterschied sich von den ihr ähnlichen For-mationen bei den Asiaten und Aegyptern durch die geringere Tiefe derAufstellung. Bis zu Xenophon haben wir aber keine näheren Nachrich-ten über dieselbe, auch keine taktischen Details in den Schlachtbeschrei-bungen , selbst bei Herodot. Es ist auch ungewiss, ob die Taktik dergriechischen Phalanx bereits vor Xenophon ebenso entwickelt war, wiezu seiner Zeit, oder ob sie erst ganz allmälig zu ihrer vollen Entwicke-lung bei den Griechen und dann bei den Macedoniern gelangte. NachXenophon bestanden die Aufstellung und Evolutionen der Phalanx in derAufstellung und den Bewegungen von Abtheilungen von Kriegern in 4,8, oder 16 Rotten in der Front, und 24, 12, oder 6 Gliedern Tiefe, oderumgekehrt in 6, 12, oder 24 Rotten Front und 16, 8, oder 4 Gliedern