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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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483
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63. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 483

die lange, in sich zusammenhängende Aufstellung, wo schondie Bezeichnungen rechter, linker Flügel, und Mitte (Centrum)vorkommen, aber noch ohne eine Idee von einer Front der Linien.Das Fussvolk stellte sich in eng zusammen geschlossenen Rotten undGliedern auf, hinter den Streitwagen, wobei, nach Nestor's Rath , dieweniger zuverlässigen Krieger vorne, in der Mitte die tapferen und hin-ten die tapfersten standen. Die Zahl der Glieder ist unbekannt, scheintaber, der Art des damaligen Kampfes entsprechend, nicht über drei odervier hinausgegangen zu sein. Auf einem engen und schmalen Kampf-plätze stellten sich die verschiedenen Völkerschaften mit ihren Streit-wagen hinter einander auf; Nestor räth zur Aufstellung auf einem breiterenPlatze, in einer Linie neben einander, die Streitwagen davor in der erstenLinie. In einigen Ausnahmefällen formirte sich das Fussvolk in der erstenLinie, die Streitwagen in der zweiten. Zum Angriff auf die griechischenVerschanzungen stellte Hector das trojanische Heer in drei gesondertenMassen oder Heerhaufen auf, zu welchem Zwecke ist ungewiss, wahr-scheinlich aber deshalb, damit der Erfolg des Angriffs nicht von einerColonne allein abhing. sondern sie sich gegenseitig unterstützen konn-ten. Auch die 2500 Thessalier des Achilles waren in 5 Haufen ä 500Mann getheilt, deren jeder seinen besonderen Anführer hatte. Aus derBeschreibung der Feldschlachten in der Iliade ersieht man auch, dassdas schwere Fussvolk mit dem leichten untermengt war und die Streit-wagen zwischen dem Fussvolk sich befanden. Ueber Marsch - und be-.sonders Schlachtbewegungen liegen keine Nachrichten vor: man kannaber mit Wahrscheinlichkeit annehmen, dass die Beschaffenheit des Ter-rains die Griechen wie die Trojaner veranlasste, bald in schmaler, baldin breiter Front, bald in Linie oder Colonne, bald in Rotten oder Glie-dern u. s. w. sich zu bewegen. Sonst hätte es keinen Sinn, dass Ari-stides den Palamedes, Vetter Agamemnon's, als den Erfinderder Taktik bezeichnet hätte, Andere den Mnestheus. AuchNestor hätte wohl ein Anrecht auf die Ehre dieser Erfindung gehabt.

Den Kampf eröffneten die Streitwagen, nach Nestor's Rath in dichtgeschlossener Linie, möglichst Kopf an Kopf vorrückend. An die feind-lichen Streitwagen heranjagend, sprangen die darauf stehenden Krieger,die Speere in der Hand, von ihnen herab zum Einzelkampfe zu Fussund zum Handgemenge. Ihrem Beispiele folgten die Krieger der zwei-ten Linie des Fussvolks, der Kampf wurde allgemein und zwar zu Fusse,Einzelkampf und Handgemenge, in welchem sonach keinerlei taktischeOrdnung sein konnte. Die Eigenthümlichkeit dieses Kampfes erforderte,um mit den Speeren bequem fechten zu können, die zerstreute Ordnung.Während dessen warfen die leicht bewaffneten Krieger die Speere, Wurf-spiesse , schössen Pfeile und schleuderten Steine. - Der Kampf währte

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