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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 479

zum Theil erhielten und die glänzenden äusseren Erfolge der römischenWaffen herbeiführten, so gingen diese Erfolge schon nicht mehr aus derguten Beschaffenheit der Masse des Heeres, sondern hauptsächlich ausdem Einflüsse der persönlichen Begabung der Feldherren hervor. Dieallgemeine Demoralisation und die ungeheuerliche Bedeutung des Heeresim Staate der Kaiser wirkte nicht allein den Bemühungen der bestenunter diesen Letzteren um Herstellung und Erhaltung der Kriegsdisciplinbei den Truppen entgegen, sondern trug nur noch mehr zu dem gänz-lichen Verfall derselben bei. Sobald die Kaiser das stehende Heer vor-nehmlich zur Stütze ihrer persönlichen Macht unterhielten, waren sieeben dadurch gezwungen, demselben verschiedene und grosse Begünsti-gungen und Vorrechte zu verleihen, um es dadurch ihrer Person ergebenund treu zu machen. Dies erzeugte natürlicher Weise in dem Heereeinen, schon unter den Triumvirn gesäeten, ungewöhnlichen Hochmuth.Unverschämtheit und Frechheit. Die Folge waren Gewalttaten derTruppen, Anfangs gegen ihre Mitbürger, dann sogar gegen die Kaiserselbst. Auf diese Weise wurde das Heer das Werkzeug zur Bedrückungder eigenen Bürger und des Staates, bald sogar der Tyrann derKaiser selbst, und begann, nach Belieben und Willkür.oder aus Habgier,die Kaiser auf den Thron zu heben und sie dann wieder durch Ermor-dung zu entthronen. Das erste Beispiel dazu gaben die Prätorianer,diese schlimmste Pest des römischen Reiches, und ihrem Beispiele folg-ten dann die Legionen in den Provinzen. Die obersten Befehlshaberderselben maassten sich die höchsten Ehrenämter im Staate an, welcherdadurch unter das schreckliche Joch eines maasslosen Militärdespotismusdes Heeres gerieth ein ebenso einziges und auffallendes, wie hochinteressantes und lehrreiches Beispiel in der Kriegsgeschichte desAlterthums.

Während dessen aber stehen die römischen kriegerischen Einrich-tungen, welche die Vervollkommnung und Erweiterung der kriegerischenBildung, Uebungen und Disciplin zum Zwecke haben, gerade zu dieserZeit in voller Blüthe und wachsen an Zahl. Vegetius legte in seinenSchriften die von Cato, Augustus, Trajan und Hadrian hierübergetroffenen Festsetzungen nieder. Aber sie erwecken nur ein Gefühl desBedauerns, denn welche Macht konnten sie haben, wenn die Hauptsache,die moralische Kraft, fehlte, wenn dem römischen Heere derrechte Geist verloren gegangen war!

Fassen wir nun all' das in den verschiedenen §§ dieses Kapitels Ge-sagte zu einer allgemeinen Schlussbemerkung zusammen, so kommenwir zu folgendem Resultate: