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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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478 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Eeiches.

Lagers u. s. w. Zu solcher Art von Strafen wurden bisweilen ganze Le-gionen verurtheilt. So z. B. wurde den im zweiten punischen Kriegegeschlagenen Truppen des Consul Fulvius untersagt. Winterquartierein Städten zu beziehen, sie mussten aber 2 Meilen von ihrem Lager cam-piren. Den aus der Schlacht bei Cannae entkommenen Rittern wurdenihre Pferde weggenommen, sie selbst wurden für unwürdig bei der Rei-terei zu dienen erklärt.

Wenn die Aberkennung der Ehre und die Schande die stärkste undwirksamste militärische Strafe war, so galt dagegen die Verleihung derEhre für eine gleich grosse Belohnung. Für die Soldaten und die Offi-ziere bestand dies in einer öffentlichen Belobigung vor allem Volke, inBeschenkimg mit Waffen, Schmuck u. s. w., für die Consuln in Kränzenvon Gras, Feldblumen, oder Blättern verschiedener Bäume, in Kronenvon Silber oder Gold, in Verleihung des Rechtes, diese bei allen öffent-lichen Versammlungen zu tragen, in dem Feinde abgenommener Kriegs-beute (Rüstungen u. dgl.), um sie in den Wohnungen aufzuhängen u. s. w.Die Feldherren wurden in der besten Zeit der Republik durch Anerken-nung der von ihnen dem Staate geleisteten Dienste und durch den grossenoder kleinen, aber einfachen Triumph geehrt; erst später, nach den pu-nischen und besonders seit den Bürgerkriegen, verlor der Triumph seineneinfachen bescheidenen Charakter und wurde das Ziel unersättlichenEhrgeizes und grenzenloser Eitelkeit.

Eine solche Strenge der militärischen Strafen neben Maasshaltenmit ehrenden Belohnungen konnte nur bei der Einfachheit der Sitten undder rauhen Tugend der Römer zur besten Zeit Roms bestehen. Wennaber hierbei die Ehre für erwiesene Dienste höher stand als der per-sönliche Vortheil, so fanden die persönlichen Fähigkeiten und Verdiensteselbst Weg und Schranke geöffnet, sich entschieden und klar vor Allenzu offenbaren. Die Folge davon war, dass nur die anerkannt fähigstenund würdigsten Männer mit Auszeichnungen bedacht wurden, einUmstand, der für Aufrechthaltung einer strengen Disciplin besondersgünstig war. Sie lag gänzlich in den Händen der Kriegstribunen, Män-ner von reifem Alter, erprobt, fest, von sittlichen Grundsätzen und imKriegswesen erfahren. Sie ernannten eben solche Männer zu Centurionen,und diese wiederum eben solche Offiziere in den Centimen.

Mit dem allgemeinen, alle Theile und Beziehungen umfassendenAnfange der Veränderung und Corruption der Sitten bei den Römernnach den punischen Kriegen und besonders seit den Bürgerkriegen (wieschon öfter bemerkt worden) begann auch der rasche Verfall der Kriegs-disciplin in den römischen Heeren. Obgleich noch unter den Triumvirnund sogar unter den ersten Kaisern die Grundzüge der alten römischenTugenden, unter dem Einflüsse solcher republikanischen Elemente, sich