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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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476 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

Anwachsen trat stets hervor, wenn unausgesetzte Dienstleistungen ver-langt wurden, welche nicht unmittelbar aus den Forderungen der allge-meinen Wohlfahrt entsprangen, und wenn in Folge dessen die Suchtnach Belohnungen für dieselben sich geltend machte, denn die edlerenTriebfedern dazu waren bereits erlahmt. Dann gingen die Forderungeneinzelner Personen im Heere schon über ihre Verdienste hinaus und dieBelohnungen wurden zahlreicher als die Thaten. Strenge Strafen er-schienen bereits zu grausam, die freigebigsten Belohnungen aber zu kleinfür die Habsucht und den Ehrgeiz. Die Kriegsgesetze konnten nichtmehr strenge gehandhabt werden, der hierzu entschlossene Feldherrstiess überall auf Widerstand, dessen er nicht Herr werden konnte, weiler nicht die Macht hatte, die Wurzel des Uebels auszurotten. Der Ein-fluss dieser Art von Männern war in den günstigsten Fällen nur ein zeit-weiliger. Nach Iphicrates sank die militairische Disziplin bei denGriechen immer tiefer, bei den Athenern rascher, bei den Spartanernlangsamer, als bei den übrigen *).

Bei den Macedoniern unter Philipp und Alexander d. Gr. hin-gegen erreichte die Kriegsdisziplin einen bis dahin nie erreichten Gradvon Vollkommenheit. Dazu trug wesentlich die Einheitlichkeit und Kraftder monarchischen Gewalt bei, welche solche hochbegabte und krie-gerische Herrscher, wie Philipp und Alexander, über das Heer besassen.Dies Alles zusammen war auch die begreifliche Ursache, dass wederGriechenland, noch Persien dem vortrefflich disziplinirten Heere derMacedonier unter Philipp's und Alexanders Führung widerstehen konn-ten. Aber schon zu Lebzeiten des Letzteren traten Anzeichen des Verfallsder ausgezeichneten macedonischen Kriegsdisciplin hervor. Die uu-mässigen, nirgends Halt machenden Eroberer waren immer mehr oderweniger die Sklaven ihres Heeres. So geschah es auch mit Alexanderd. Gr., die entschiedene Weigerung seiner Truppen, über den Hypha-sisfluss zu gehen, bewog Alexander, sich ihrem Willen zu unterwerfen.Nach seinem Tode aber zerfiel sein unermessliches Reich noch rascher,als es entstanden war, zerrissen durch die Zwistigkeiten seiner ehr-geizigen Nachfolger, und durch ihr Instrument, das Heer, in welchemauf einmal jede Spur von militärischer Disziplin erlosch.

So waren, wie in den besten blühendsten Zeiten, so in der Zeit desVerfalls, die Folgen derselben bei den griechischen Heeren nicht diesel-ben wie bei den macedonischen. Wenn sie in den griechischen Heerenzu weniger glänzenden Resultaten führte, so erzeugte sie nicht wenigerungewöhnliche Thaten, war aber der Welt weniger verderblich, als diemacedonischen. Die Grundbedingungen der ersteren hingen enger mit

*) Handbibliothek für Offiziere. I. Bd. I. Abth. (Brandt.)