62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 475
Bekleiden mit schmutzigen Lumpen u. s. w. Nächst diesen öffentlichenStrafen kamen private, in der Familie: die durch jene Beschimpftenwurden mit Schanden aus ihrer Mitte ausgeschlossen, aus der eigenenFamilie ausgestossen. Besonders strenge, bis zur Grausamkeit, warenin dieser Hinsicht die Kriegsgesetze Spartas. Die Kriegsbelohnungenihrerseits hingen ebenfalls mit denselben Gefühlen und Gesinnungen desgriechischen Volkes zusammen. Beförderungen in Rang und Aemtern,verschiedene Arten an Geschenken u. s. w. dienten zur Anerkennungund Anreizung der Offiziere und Soldaten, Kränze aus Oliven-, Lorbeer-oder Eichenblättern, silberne oder goldene Kronen, Siegesgesänge, Auf-hängen der eigenen Waffen in der Acropolis (zu Athen), Geschenke vonvollständigen Waffenrüstungen, Errichtung von Bildsäulen u. s. w. warendie Belohnungen der Strategen. Indessen wurden alle diese Belohnungennur selten und kärglich zuerkannt. Dem Miltiades verweigerte maneinst den Olivcnblattkranz, und nach einem Siege wurde dem ganzenHeere die erste Belohnung, dem Strategen des Heeres aber nur die zweitezugesprochen, weil Jeder im Heere nach der Belohnung gestrebt hatteund sich ein Aurecht auf dieselbe zusprach.
Auf solchen Grundlagen ruhte die militairische Disziplin in dengriechischen Heeren bis zum Anfange des Krieges mit den Persern, undOrdnung, Gehorsam, Mässigung herrschte in denselben. In der Folgezeitaber schlugen unter dem schädlichen Einflüsse der orientalischen Ver-weichlichung und Sittenverderbniss diese kriegerischen Tugenden in ihrGegentheil, in Laster um. Und in gleichem Maasse vermehrten sich dieStrafen sowohl, wie die Belohnungen der Krieger, was schon auf einemoralische Verderbniss der Masse des Volkes und auf ein Sinken dermilitärischen Disciplin bei den Truppen hindeutet. Die Kriegsgesetzewerden zahlreicher und strenger, ihre Beachtung aber hängt schon vor-zugsweise von der persönlichen Energie der Strategen ab. Bald nachdem peloponnesischem Kriege that sich in Athen Iphicrates besondershervor durch Hebung der kriegerischen Disciplin, d. h. also, sie war indiesem Kriege schon etwas in Verfall gerathen. Indessen erreichte dasKriegswesen überhaupt, und besonders die Kriegskunst gerade in dieserZeit ihre höchste Entwickelung bei den Griechen. Diese beiden Erschei-nungen zeigen sich stets zugleich im Alterthum: immer schreiten mitder Entwickelung der Civilisation die Erfolge der Kriegskunst und dersittliche Verfall gleichmässig fort. Die häufigen und lange dauerndenKriege beförderten sowohl das Erstere, wie das Letztere. Neben denhöchsten kriegerischen Tugenden brachen auch die entgegengesetztenLaster hervor, Folgen der entfesselten Leidenschaften, deren Befriedi-gung schon damals als ein Mittel zur Befeuerung des Eifers angewendetwurde, deren Forderungen aber zur Nachsicht zwangen. Ihr gefährliches