ü2. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 473
Werkzeuge der Vorsehung waren zur Zerstörung und Umbildung dessen,was nicht länger bestehen konnte und sollte, wohl aber einerradicalen und vollkommenen Umbildung unterworfen werden sollte.
Sie, eben diese nordischen Barbaren, germanischer und zumTheil slawischer Abstammung, waren neue, frische, ursprüngliche Völker,nicht verderbt und geschwächt wie die Römer, die aber bei all' ihrerRohheit und Ungebildetheit in kriegssittlicher Hinsicht unvergleichlichhöher standen, als die abgelebten kläglichen Nachkommen des einst somächtigen Roms. Strenger Gehorsam gegen ihre Fürsten und Anführerund ein ungemein kriegerischer Geist machte sie zum vollkommenstenGegensatze Derjenigen, welche, nach Erreichung der höchsten Stufe derCivilisation in der alten Welt, in den ersten 5 Jahrh. n. Chr. von dieserbis zur tiefsten Verwilderung, selbst im Vergleich zu ihren Ueb er windern,'den Barbaren, herabsanken.
Und welche Mittel wurden nicht bei den Völkern des Alterthumsangewendet zur Entwickelung, Aufrechterhaltung und Belebung einerstrengen Disziplin und eines ächten Soldatengeistes in den Heeren, sowiezur Züchtigung für jeden Verstoss in dieser Hinsicht! Das System dermilitairischen Belohnungen und Bestrafungen, von den ein-fachsten, primitivsten bis zu den complicirtesten und raffinirtesten in derFolgezeit war besonders bei den Griechen, noch mehr bei den Römernentwickelt und dehnte sich um so weiter aus, je tiefer die Disziplin undder Geist der Truppen sanken. Die Geschichte überliefert uns fast garkeine Nachrichten, wie es hiermit bei den alten Völkern und StaatenAsiens und Afrikas stand. Die Ueberlieferungen und die erhaltenenDenkmäler in Aegypten bezeugen, dass unter Sesostris und nach ihm inder besten Zeit Aegyptens (1500—1200 v. Chr.) die kriegerische Dis-ziplin in den ägyptischen Heeren strenge gehandhabt, die Truppen abervom besten kriegerischen Geiste beseelt waren. Sie bezeugen ferner,dass Sesostris bei den Truppen militairischen Gehorsam und Subordina-tion einführte, deren Nichtbefolguiig mit schweren Strafen belegt wurde,die körperlichen Strafen dagegen durch Entehrung ersetzte, wobei derSchuldige zwar die Ehre wieder erlangen konnte, aber nur durch tapferesVerhalten und Kriegsdienste. Xenophon führt in seiner Cyropädie vieleweise Maassregeln an, durch welche Cyrus I. in den persischen HeerenOrdnung und guten kriegerischen Geist zu erhalten wusste; es ist nichtgewiss, ob das thatsächlich so war, oder ob Xenophon dem jüngerenCyrus damit nur Lehren über diesen Gegenstand ertheilen wollte. Inden jüdischen Alt er th lim er n des Flavius Josephus finden sich Mit-theilungen über denselben Gegenstand bei den Hebräern seit der ältesten