62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 471
der Zeit ihrer Losreissung von den Assyriern und der Bildung eines un-abhängigen medischen Reiches bis zum Abschluss des Friedens mit demlydisch-phrygischen Reiche in Kleinasien (585), denn 25 Jahre später(560) wurde das medische Reich schon von Cyrus I. unterworfen. Beiden alten Persern nur unter Cyrus I., Cambyses, Darius Hystaspis undXerxes (560—465), wonach sie allmälig in den furchtbaren Verfall ge-riethen, in welchem sie sich zur Zeit der Kriege Alexanders d. .Gr.(336—324) befanden. Bei den alten Hebräern von dem Auszuge ausAegypten und dem Einzüge in das Gelobte Land bis zur Theilung desjüdischen Königreichs, nach Salomo's Tode, in das judäische und israeli-tische (1491—975), wonach bald ein rascher Verfall eintritt, bis zurUnterjochung des israelitischen Reiches durch Salmanassar von Assyrien(720) und des judäischen Königreiches durch Nabuchodonosor von Ba-bylon (587). Nach der Wiederherstellung des judäischen Reiches unterder Herrschaft der Hohenpriester im J. 536, und besonders unter denMaccabäern (166—135) erhebt sich auch die militärische Disciplin undder Geist im jüdischen Heere in alter Kraft und zu altem Ruhme. VomJ. 135 an aber, unter dem Hohenpriester, später Fürsten, Hyrcanus biszur Eroberung und Zerstörung von Jerusalem und Unterwerfung Juda'sdurch Titus im J. 70 n. Chr. nehmen der sittliche Verfall, Unfolgsamkeit,Willkür, Empörungsgeist und alle möglichen Uebelstände im jüdischenHeere und Volke mit solcher Gewalt zu, dass ähnliche Beispiele wiedieses erste in der Geschichte überhaupt, besonders aber im Alterthumkaum wieder vorkommen. Bei den Aegyptern war die in dieser Hin-sicht glänzendste Periode die Regierungszeit der 19. Dynastie der Pha-raonen-Sesostriden (1485—1200 v. Chr.), namentlich unter dem Erstenderselben, RamsesIII. oder Sesostris I. (1485—1416), dessen Re-gierung 6 Jahre nach dem Auszuge der Juden aus Aegypten unter PharaoKenchres oder Menephthes beginnt. Mit dem 12. Jahrh. (1200) beginntder Verfall, welcher im 8. Jahrh. (800—700) die grösste Höhe erreicht,unter Psammetich L, dem Begründer der 26. (sais'schen) Dynastie,660—617 zur Auswanderung des grössten Theiles der aufrührerischenund unruhigen Kriegerkaste nach Aethiopien und zu ihrem Ersatz durchgriechische Soldtruppen führte, bis Aegypten selbst durch Cambyses imJ. 524 unterworfen wurde. Bei den Karthagern endlich seit der Grün-dung Karthagos um 878 v. Chr. bis zur Mitte des 6. Jahrh. (55j3) befandsich das Heer in gutem primitivem Stande in Bezug auf Disciplin undGeist der Truppen, von der Mitte des 6. Jahrh. aber bis zur Mitte des 3.(550—2" 0), der Periode grösster Macht und höchsten Ruhmes Karthagos,in noch besserem, obgleich die Zusammensetzung des Heeres ausSöldnern und Truppen verschiedener Stämme schon den Keim der Des-organisation und des schlechten Geistes in sich enthielt, welcher auch in