470 IV. Von Angustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
verderbniss und demnächst des Verfalles des militärischen Geistes undder militärischen Ordnung. Wir bemerken ein für allemal, dass dieseselben Ursachen und Wirkungen in allen Perioden und Epochen desAlterthums und bei allen Völkern vorkommen. Die Einfachheit, selbstEauhheit der Sitten, die Armuth der Lebensweise und der Gewohnheiten,für die kriegerische Disciplin und Geist sehr vorteilhaft im Anfange,verlieren und verschlechtern sich stets in dem Maasse, wie der Reich-thum mit allen seinen Consequenzen zunimmt, sie treiben schliesslich zueinem mehr oder minder vollkommenen Verfall, der der wahren undnothwendigen militärischen Disciplin und Gesinnung diametral entgegen-gesetzt ist. Dann traten an die Stelle der Achtung vor den Vorgesetzten,des Gehorsams, der Ordnung, des militärischen Geistes und aller kriege-rischer Tugenden, ohne welche ein gut organisirtes Heerwesen undenkbarist, die Anarchie, Eigenmächtigkeit, meuterischer Geist, Habgier, Suchtsich gewaltsam durch Kauben und Plündern zu bereichern, Bedrückungund Grausamkeit gegen die friedlichen Bewohner, Zaghaftigkeit undFeigheit gegen die äusseren waffenfähigen Feinde ü. s. w., Laster, welchedas Heer beflecken und es seines Berufes unwürdig machen. Zu einerfurchtbaren bewaffneten Bande von Räubern herabgesunken, ist das Heernicht mehr, was es sein sollte, die wahre und zuverlässige Stütze, derSchirm und Schutz des Staates, sondern dessen schlimmster innererFeind, Pest und Geissei, unvergleichlich gefährlicher als alle äusserenFeinde desselben, welcher Art diese auch sein mögen. Das ist eine Er-scheinung, welche sich beständig und regelmässig in grösserem oder ge-ringerem Maasse zu allen Zeiten und bei allen Völkern des Alterthumswiederholt. Zweck und Umfang dieses Werkes erlauben und fordernnicht, dass alle Ursachen dieser Erscheinung untersucht und ausgeführtwerden könnten. Es sind deren sehr viele, die hauptsächlichsten aberund stets allen Völkern gemeinsamen sind die oben angegebenen, dasReichweiten und alle dessen Folgen. Wir ziehen nur die Perioden,Epochen, und den Charakter dieser Erscheinung bei den Völkern desAlterthums in Betracht.
Unter den alten asiatischen und afrikanischen Völkern und Staaten,welche historisch bekannter werden seit dem Anfang des 8. Jahrh.v. Chr., sind es die Assyrier, bei denen kriegerischer Geist und Dis-ciplin der Truppen bis zur Mitte des 7. Jahrh. hin in guter Verfassunggewesen zu sein scheinen, von da an aber bis zur Zerstörung des assyri-schen Reiches durch Nabopolassar von Babylon und Cyaxares von Me-dien zu Ende des 7. Jahrh. (610 v. Chr.) sind sie in Verfall. — Bei denBabyloniern von dieser Zeit an nur unter den beiden ersten Königender neuen babylonisch-chaldäisshen Dynastie. Nabopolassar (610—606)und besonders Nabuchodonosor (606—562). Bei denMedern nur von