62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Altertimms. 469
Grund einer neu eingeführten Kangfolge und unterstellte Alle denhöchsten Staatsbehörden (Ministerien), durch welche die Regierung sichin der Person des Kaisers concentrirte, unter dem die beiden magistripe-ditum und equitum, sowie die beiden Anführer der Garde zu Fuss und zuPferde standen. Nach Constantin d. Gr. wuchs die Zahl dieser magister,nach der Theilung des Reiches durch Theodosius d. Gr. in das östlicheund westliche gab es in jeder Reichshälfte einen magister särnintlicherTruppen, der nächst und unter dem Kaiser die militärische wie die bür-gerliche höchste Gewalt besass, im Weströmischen Reiche sogar im Na-men des Kaisers regierte.
Dies war der Entwickelungsgang und Zustand der Commando-Ver-hältnisse im Alterthum überhaupt und bei Griechen und Römern im Be-sonderen. In der besten Verfassung befanden sie sich, wie aus dem obenGesagten hervorgeht, bei den Macedoniern unter Philipp und Alexanderd. Gr. und namentlich bei den Römern bis zum Ende der punischen unddem Beginn der Bürgerkriege.
Mit der militärischen Rangstufenfolge und Commandostellung sindmilitärische Subordination und Disciplin eng verbunden, ebenso steht derGeist der Truppen und alle die Einrichtungen, welche zur Erhaltung,Anregung, Befestigung und Hebung desselben, wie zu Bestrafungen fürVerletzung desselben bestimmt waren, damit im engsten Zusammenhange.Ihre Entwicklung im Alterthume, zu verschiedenen Zeiten und bei denverschiedenen Völkern durchläuft gleichfalls bessere und weniger gutePerioden und Epochen, und der schlechteren gab es fast mehr als derguten. Im Ganzen genommen war dieser wesentliche und wichtigsteTheil des Zustandes der Truppen zu allen Zeiten und bei allen Völkerndes Alterthums anfänglich mehr oder weniger zufriedenstellend, gegendas Ende hin dagegen in Verwirrung, Unordnung und Verfall.
Bei den alten Völkern Asiens und Afrikas, bei denen dieKastentheilung existirte, machten die kriegerische Erziehung und die be-ständige Beschäftigung mit kriegerischen Uebungen die Kriegerkaste zurKriegführung besonders geeignet, vertraut mit dem Kriegswesen und anmilitärische Ordnung und Gehorsam gewöhnt, der kriegerische Geistwurde in ihnen genährt. Dass der Kriegerberuf forterbte, wirkte gleich-falls in diesem Sinne mit, andererseits aber war dies den Erfolgen derKriegskunst entgegen. Ferner konnten die Kriegerkasten, da sie aus-schliesslich die bewaffnete Macht des Staates bildeten, leicht demselbengefährlich werden, indem sie seine Interessen den ihrigen nachstellten,was um so mehr vorkommen konnte, da diese Kaste den übrigen Kastenund überhaupt dem ganzen Volke entfremdet war. Diese Mängel undNachtheile traten auch in der That früher oder später hervor, besondersin Folge des zunehmenden Reichthums, Luxus, Verweichlichung, Sitten-