62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthuins. 461
militär-ökonomischen Verwaltung die Rede sein, welche nur da möglichist, wo die kriegerischen Bedürfnisse sich aus den privaten und allge-meinen Bedürfnissen besonders hervorheben, und wo die Krieger nichtdurch die ganze erwachsene Mannschaft der Völker, sondern nur auseinzelnen Theilen derselben gebildet werden. Bei der Völkerwanderungführten die Völker nicht nur Alles, was sie für den Krieg gebrauchten, son-dern ihre gesammte Habe und Alles mit sich, was zum Unterhalt der nichtKämpfenden, Greise, Weiber und Kinder dienen sollte. Die Wandern-den lebten wo und wie sie konnten, ohne irgend welche Einmischungder Anführer, theils von dem, was sie mit sich führten, theils von dem,was ihnen die neuen Wohnplätze boten, bis deren Erschöpfung und Aus-saugung die Führer veranlasste, das Volk weiter zu fuhren. Bei sol-chen Wanderungen wurde Alles verheert, Alles mitgenommen, was mit-zuführen war, die eingeborenen Bewohner aber wurden in Gefangenschaftgeschleppt. Dabei konnte natürlich keine Regelinässigkeit herrschen,diese erste und hauptsächlichste Bedingung zu einer militärisch-ökono-mischen Verwaltung, und deshalb gab es auch keine solche.
Trotz alledem aber hatte die Völkerwanderung einen wesentlichenEinfluss auf die militärisch-ökonomische Verwaltung der späteren Zeitenund Völker. Sie gab Europa und allen Einrichtungen dieses Erdtheilseine vollkommen andere Gestalt. Neue Menschen, Sitten, Organisatio-nen, Gesetze, Beziehungen, Staaten, Art der Kriegführung und Modusder Zusammensetzung, Formation und des Unterhaltes der Truppentraten plötzlich an die Stelle der vorherigen alten. Eine neue Ordnungder Dinge, fast ganz zusammenhangslos mit der alten, aber die Quelleund Wurzel der späteren, werdenden, keimt empor und setzt sich fest inEuropa, dessen Völker durch ihre Kriegsorganisationen einst die Herr-schaft der Welt erringen sollten.
Zum Schluss sind noch einige Bemerkungen hinsichtlich der Artendes Unterhalts während der Kriegszeit, wie sie bei den Völkern Ost-europas bestanden, zumachen, welche Völker mit den germanischensich wie an den Einfällen in das römische Reich, so auch an der Zer-störung der westlichen Hälfte desselben und an der allgemeinen Völker-wanderung betheiligten. Es ist nicht von den Gothen die Rede, welchederselben Abstammung sind wie die Germanen, noch weniger von denHunnen, die tiefer aus dem fernsten Asien in Europa auftauchen, son-dern von den Scythen, Sarmaten, Alanen, Roxalanen,Jazygen und andern Völkern, den Ureinwohnern Osteuropa's, im6. Jahrh. n. Chr. bekannt unter dem allgemeinen Namen der Slawen.Ihre Urgeschichte, Ethnographie und Kriegsthaten wurden bereits früherkurz dargestellt; man kann daraus die Hauptzüge der Aehnlichkeit, wie