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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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62. Allgemeiner Ueberblick Über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 459

sich selber, sodass weder der Ackerbau noch der Krieg unterbrochenwurde. Aber es gab bei ihnen keinen festen Landbesitz, noch war esgebräuchlich, länger als ein Jahr auf derselben Stelle behufs Ackerbauzu verweilen. Im Allgemeinen nährten sie sich weniger von Getreide-brod, als von Milch, Fleisch und Jagdbeute. Daher hatten Handelsleutemehr um des An- und Verkaufs willen von Kriegsbeute als um mit irgendwelchen Handelsobjecten Handel zu treiben, Verkehr mit ihnen, da dieGermanen selbst keine fremden Arbeitsthiere verwendeten , sondern diebei ihnen einheimischen Arten von mittlerer Güte alle erforderlichenArbeitskräfte für die täglichen Beschäftigungen hergaben.«

Indessen mussten bei einem so kriegerischen Volke bald allge-meinere kriegerische Erfordernisse hervortreten, welche gleichzeitigals Vertheidigungs- und Angriffsmittel dienten und dazu zwangen, einengewissen Theil des einzelnen Bestandes dem allgemeinen Besten zuopfern. Aus den oben angeführten und andern ähnlichen Angaben Cäsar's,auch aus Tacitus lässt sich schliessen, dass die Verpflegung der zumKriege ausrückenden Germanen im Allgemeinen hauptsächlich aus demVieh, welches hinter ihnen nachgetrieben wurde, und aus Jagdbeute er-folgte, nicht aber allein durch Plünderung oder Kriegsbeute, wie Einigeannehmen. Diese letzteren Mittel kamen zur Aushülfe in Anwendung,nicht aber als Hauptsache. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass dieKriegsgeschichte kein Beispiel aufzeigt, dass die Kriegführenden, selbstim primitivsten Zustande der Völker, vom Anfang bis zum Ende desKrieges lediglich von Plünderung und Beute existiren konnten, ohne Zu-hülfenahme von besonderen Unterhaltsmitteln. Diese Mittel der altenGermanen konnten nicht bedeutend sein, denn auch die Bedürfnissedieses Volkes waren gering : Fleisch, Milch, kräftiges Bier und Korn-branntwein genügten ihnen vollständig. Aber sie mochten noch sogering sein, immerhin waren sie vorhanden und mussten befriedigt wer-den, nicht aus fremden Mitteln allein, sondern auch aus eigenen. Nachder Beschreibung des Tacitus lag den Fürsten der Volksstämme oderden Anführern derSchaaren die Verpflichtung ob, für Befriedigung dieserBedürfnisse zu sorgen. Da sie zu den angesehensten und mächtigsten adeli-gen Landbesitzern gehörten, so hatten sie auch die meisten Mittel in derHand, durch ihren Einfluss auf die öffentlichen Angelegenheiten im All-gemeinen und auf die Versorgung der Kämpfenden mit Lebensmitteln imBesonderen. Daneben war es gebräuchlich, dass die Gaue oderGemein-den den Fürsten und Anführern Gaben an Waffen, an Proviantvorräthen,später sogar auch an Gelde zu ihrem und dem allgemeinen Besten brach-ten. Aus diesen Mitteln bestritten die Führer ihren eigenen und ihrerSchaaren Unterhalt. Nach Tacitus waren das Schlachtross, der Speerund eine reichliche, wenn auch grobe, Kost der einzige Sold , den der