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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthurns. 457

(Stab) und besondere Herolde umgaben die Tribunen, welche gleich denSenatoren goldene Ringe trugen und deren raannichfache in's Lager mit-geführte Gegenstände schwer aufzuzählen sind. Ihrem Vorgange folgendentfalteten auch alle unter sie Gestellte, bis auf den letzten Kriegerherab, einen gleichen Luxus, der Tross vermehrte sich in's Maasslose,ebenso die Fahrzeuge der Armee und die Zahl der dazu gehörigen Diener,-Trossknechte (calones) und freiwillig Mitziehenden (lübae), welche Letz-tere zugleich Marketender waren und verschiedene Waaren feilhielten.Die Zahl derselben überstieg, nach Tacitus' Angabe, schliesslich die Zahlder Combattanten bei den Armeen.

Unter allen diesen Verhältnissen musste die westliche Hälfte desReiches besonders leiden. In Italien, namentlich in Rom, wo es seit langeüblich war, nicht nur die Truppen, sondern auch das Volk durch Lieferun-gen aus anderen Provinzen (Africa, Aegypten u. a.) zu verpflegen, bedurftees nur eines äusseren Unfalls zu Lande oder zu Wasser, um mit einemSchlage Heer und Volk der Mittel zu ihrem Unterhalt durch diese Zufuh-ren zu berauben. Dies war auch schon vor der Theilung des Reichestheilweise zum Ausdruck gekommen, als Constantin d. Gr. der alexan-drinischen Flotte befohlen hatte, die Vorräthe aus Aegypten nach Con-stantinopel, und nicht nach Rom, zu bringen, wo sie den Unterhalt derTruppen in der Stadt und in ganz Italien für vier Monate sicherten. Diean Stelle der Legionen gemietheten Truppen der Barbaren mussten trotz-dem sich in den Provinzen, wo sie standen, im Wege der Lieferung oderder Fouragirung selber verpflegen. Zu dieser Maassregel Constantin'sd. Gr., welche die allgemeinsten Klagen in Rom hervorrief und einerder hauptsächlichsten Anlässe zu dem späteren Untergange des West-römischen Reiches wurde, kam noch die andere Einbusse hinzu, welchedieses Reich durch Verlegung der Residenz nach Constantinopel erlitt.Dahin wurden nun alle die besten Kräfte, Mittel und Capacitäten desStaates gezogen, von dort ging der Einfluss aus auf alle inneren undäusseren Verhältnisse der Organisation, der Kräfte, des Wohlstandes,der Vertheidigungs - und Verpflegungsmittel u. s. w. Es ist daher be-greiflich, welche nachtheilige Wirkung dies auf die Mitte! des Unterhaltsund der Verpflegung der Truppen im westlichen Reiche ausüben musste.Das letztere ging der Möglichkeit, seine Truppen selbstständig zu unter-halten und zu verpflegen verlustig. Die Hülfstruppen der Barbarenwürden schon früher diese Westhälfte vollkommen überwältigt haben,wenn sie mit der Osthälfte nicht noch so eng verbunden gewesen wäre.Aber nach der Trennung beider erfolgte bald der Untergang der west-lichen Hälfte, während die östliche noch fast 1000 Jahre weiter bestand.

So hatten denn die fehlerhaften kriegswirthschaftlichen Maassregelndieses geschichtliche Ereigniss theils zur unmittelbaren Folge, theils