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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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456 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

des Kaisers,-'gleichsam einer freigebigen Gottheit erhalte. Dies kannzur Charakteristik der damaligen kriegsökonomischen Administrationdienen, welche solchergestalt auf schrankenlose Willkür basirt und folg-lich eine ganz unzuverlässige Einrichtung war. Das Heer wurde demVolke gänzlich entfremdet, welches in ihm nur die blutige Geissei seineseigenen Wohles erblickte. Indem das Heer einen entscheidenden Ein-fluss auf die Thronerhebung und Absetzung der Kaiser gewonnen undsich dies zum Bewusstsein gebracht hatte, war es zum unbeschränktenHerrscher im Staate geworden und stabilirte in demselben den abso-luten Militairdespotismus.

Die Censoren und Quästoren hatten schon zu Anfang des Kaiserreicheserheblich, gegen das Ende hin gänzlich ihren ehemaligen Einfluss aufdie Militairverwaltung eingebüsst. Für die Feldherren waren sie nurein Hinderniss bei deren gewissenlosem und nach der Gewalt trachten-dem Treiben und Streben. Vergebens suchten die Kaiser den Einflussder Censoren und Quästoren zu heben, sie wurden schliesslich gezwun-gen, die Controlle durch dieselben ganz abzuschaffen. In Folge dessenging die ganze Kriegsverwaltung vollkommen in die Hände der oberstenTruppenbefehlshaber, der kaiserlichen Legaten, über. Jedem derselbenwurde für die Uebernahme der früheren Quästorengeschäfte noch einpraefectus legionis beigegeben, welchem die Ueberwachung über dieAuszahlung des Soldes, Ausgabe der Bekleidung, Lebensmittel und allerKriegserfordernisse oblag. Auf diese Weise war den Truppen und derenFührern die volle und unbeschränkte Macht in die Hand gegeben, selberzu bestimmen, was sie brauchten und zur Befriedigung ihrer Bedürfnisseüber die Reste des fast gänzlich erschöpften Volks- und Staatsvermögenszu verfügen. Und diese Unbeschränktheit führte zur zügellosesten Ver-schwendung Seitens des Heeres und brachte das Volk an den Bettelstab.Unter solchen Umständen konnte von einer geregelten lnilitairisch-öko-nomischen Verwaltung keine Bede, kein Gedanke mehr sein. An dieWohlfahrt des Staates dachte Niemand: es handelte sich nur um die Be-friedigung der Begierden des corrumpirten Heeres und um die Berei-cherung seiner Anführer. Die Kriegstribunen nahmen von den SoldatenAlles und verkauften ihnen Alles für Geld: Sold, Urlaub, Entlassung,Befreiung von Dienstpflichten u. s. w. Und nicht ohne Grund nannteder Satyriker Juvenalis das halbe Jahr des Aufenthaltes der Tribunenim Lager der Soldaten das aureum semestre, das goldene halbe Jahr.Trotz der Bemühungen vieler Kaiser, besonders Otho's, Hadrian's, Pe-scennius Niger, und Alexander Severus, diese Missstände abzuschaffen,nahmen dieselben immer mehr zu. Die Ueppigkeit der Hauptquartiereder Tribunen, von welcher die gleichzeitigen Schriftsteller berichten,kann daher nicht Wunder nehmen. Eine zahlreiche und glänzende Suite