62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Altertimms. 453
dem Staatsvermögen entzogen, so (hätte man Geld und Mittel genug ge-habt, um im Istothfalle die übrigen 3 / 4 jederzeit in genügender Weisemobil machen zu können. Wenn hierbei ferner die Ausgaben für diese3 /4 auf rein militärische und unerlässliche Erfordernisse, unter Ausschlussalles Aufwandes für die Gardetruppen und für äusserlichen Glanz, be-schränkt geblieben wären, so konnte mit den beweglicheren und wenigerkostenden 3 / 4 des Heeres weit mehr erreicht werden, als mit der unbe-weglicheren und mehr kostenden Gesammtmasse des Heeres.
Die Richtigkeit dieser Betrachtung war im Alterthum sehr gutbekannt und begriffen. Wenn die kriegspolitische und die reine Kriegs-ökonomie auch noch nicht theoretisch in Form einer Wissenschaft ent-wickelt war, so waren doch in Bezug auf die Praxis die Fundamental-anfänge derselben vorhanden. Schon in den ältesten Zeiten sagte man,dass zur Führung eines Krieges: »Geld, Lebensmittel, Waffen und Sol-daten« [pecunia, commeatus, arma et viri) nothwendig seien. Quintiliansagt; »ehe man den Krieg beginnt, muss man alles dazu Erforderlichevorbereiten« [prius enim est parare bellum, quam exercere) , und Publius,Mimus fügt hinzu: »rüste Dich lange vorher, damit Du um so raschersiegest« (diu apparandum est, ut vincas celerius). Aber trotzdem mandies wusste und aussprach, in Wirklichkeit führte man es nicht aus,Wort und That waren nicht eins.
Constantin d. Gr. theilte das Heer in zwei Hauptarten: die palatini-schen oder Hof-(Garde-)Truppen, und die Feld- oder Grenz-Truppen.Von nun an entstand zwischen beiden eine grosse Verschiedenheit undeine unfreundliche Entfremdung. Die palatinischen kosteten sehr viel,,waren in Friedenszeiten in grossen und reichen Städten des Innern ein-quartirt, führten ein üppiges Wohlleben, beschäftigten sich nicht mitkriegerischen Uebungen und bedrückten die Einwohner, denen sie einSchrecken waren, während sie selber vor dem Feinde zitterten. DieFeldtruppen hingegen standen an den Grenzen in ständigen Lagern,trugen die Beschwerden des Grenzdienstes, hatten kaum 2 /:t des Gehalts,Unterhalts, der Vorrechte und Lebensbequemlichkeiten wie die palatini-schen, und waren diesen feindlich gesinnt. Solchergestalt war also deram meisten kostende Theil des Heeres zugleich der dem Staate amwenigsten nützliche, ja sogar demselben höchst gefährlich.
Auf der anderen Seite kamen die Barbaren, welche nicht allein indie Grenz-, sondern auch, in die palatinischen Legionen eintraten, baldgenug zur Erkenntniss von der Ohnmacht des Staates, wie von ihrereigenen Kraft, und nahmen allmälig immer mehr die Stellung von Ge-bietern ein.
Hierzu kam noch das, dass bei dem Missverhältniss zwischen denKriegsausgaben und Einnahmen in dem Unterhalt der Truppen häufig