452 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
und nachdem es sich der Mittel dazu beraubt, unvermeidlich auch seineneigenen Fall wie den des Staates herbeigeführt. Mit einem Worte —Rom ging zu Grunde vornehmlich durch die im Verhältniss zu der Macbtund den Mitteln des Staates geradezu unerschwinglichen Ansprüche undAusgaben des Hofes wie des Heeres. Sobald die natürliche, wesentlicheund unerlässliche Uebereinstimmung zwischen ihnen aufgehoben war odermehr und mehr zerfiel, musste die naturgemässe Folge hiervon derUntergang des Staates sein. Das römische Heer aber war neben den be-ständigen heftigen Schlägen von aussen eine Mitursache, nicht des Wider-standes, sondern geradezu des Unterganges dieses Reiches.
Gerade das Festhalten der oben bezeichneten Uebereinstimmungoder Gleichgewichts war zu dieser Zeit bei den Römern, wie es immerund überall und bei allen Völkern gewesen, noch ist, und stets sein wird,eine der schwierigsten, ja wohl die schwierigste aller militärisch-ökono-mischen, oder militärisch-politischen Verwaltungsaufgaben. Der Grunddazu lag darin, dass man die Macht des Staates und Heeres nach derZahl der Köpfe im Heere schätzte; man wollte den Nachbaren durch dieStärke des Heeres Furcht einflössen (imponiren) und deshalb auch imFrieden eine grosse Truppenmenge unterhalten. Es kam-noch hinzu, inFolge des Wechsels in der Regierungsform, dass ein starkes Heer, welchesdie Macht des Monarchen sichtlich darstellen sollte auch für den Thronden schönsten Glanz ergab; beim Unterhalte desselben konnte man nichtimmer in den Grenzen des absolut Nöthigen verbleiben. Die Truppenwurden ein Mittel zu äusserem Glänze, zu Pracht, Luxus, Pomp, nament-lich in den dem Throne am nächsten stehenden Heerestheilen, denpalatinischen oder Hof - Truppen, den kaiserlichen Leibgarden oderscholae. Und dies führte zu hohlem Gepränge in Entfaltung nicht alleinäusseren Prunkes, sondern auch gewaltiger Heeresmassen. Das waraber dem Staate in keiner Weise zu Nutz und Frommen, sondern imGegentheil, es führte dahin, dass der Unterhalt des Heeres schon untergewöhnlichen Umständen und zu Friedenszeiten jedenfalls gerade soviel, wenn nicht mehr, kostete, als die Mittel des Staates zu tragen ver-mochten. Wenn auch nur ein kleiner Theil des Heeres zum Kriegeauszog, so vermehrte sich der Kostenaufwand für denselben vielleicht umdas Dreifache und wurde äusserst schwierig, wenn nicht unerschwinglich.Wurde aber das ganze Heer zum Kriege verwendet, so wuchsen dieseVerlegenheiten, verzögerten die Bewegungen und Operationen desHeeres, konnten es sogar zur Unthätigkeit und ohnmächtigem Abwartenzwingen, weil es an Mitteln, sowohl in Gelde als in Naturalvorräthenfehlte. Zu spät erkannte man seine Versehen: hätte man sich wenigerdurch den eiteln und jämmerlichen Glanz numerischer Stärke des Heeresverblendet, es um y 4 vermindert und die Ausgaben für dieses i / i nicht