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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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451
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62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 451

Trotz der strengsten darauf gesetzten Strafen war die Zahl solcher ab-sichtlich Verstümmelter so gross, dass sie sogar mit dem besonderen Na-men murci*) belegt wurden.

Aus allen diesen Gründen war Constantin d. Gr. gezwungen, dieStärke der Legionen auf i / i , also 3000 Mann, sogar auf y 6 = 2000 Mannherab zu setzen, und dafür, um die Armee auf gleicher Stärke wie früherzu erhalten, barbarische Truppen in Sold zu nehmen. Allerdings warenschon seit Cäsar's Zeit Fremde in das römische Heer aufgenommen wor-den, aber doch nie anders als in die Legionen selbst, so dass sie zu rö-mischen Legionaren gemacht und nach römischer Art geschult wurden.Constantin nahm ganze Massen von Barbaren mit deren eigener Organi-sation und Bewaffnung an. Mit ihren Fürsten, Königen oder Herzogenschloss er förmliche Contrakte, zahlte ihnen bestimmte festgesetzteGeldsummen, ihnen selber überlassend, wie sie ihre Truppen bewaffnenund verpflegen und in Disciplin erhalten wollten. Diese Maassregel,einer irrigen finanziellen Berechnung entsprossen, schien anfänglich vor-teilhaft für den Fiscus. Die rohen unverderbten Barbaren kosteten weitweniger, als die Legionen: der Unterhalt von ihrer 20,000 reichte nichtfür den zweier Legionen aus, selbst als deren Stärke auf 2000, 1500 undsogar 1000 Mann herabgesetzt war. So wurde zunächst also der Fiscusdadurch entlastet. Im Laufe der Zeit aber begannen die Anführer derBarbaren, welche ihre Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit erkannt hatten,immer höhere Bezahlung zu fordern, so dass endlich diese Zahlungensich in einen die Kosten für den Unterhalt der Legionen weit überschrei-tenden Tribut verwandelten. Die damaligen Schriftsteller geben dieHöhe eines solchen Tributes nicht genau an, sie vermerken nur ein-stimmig die beständige Zunahme der Zahl der auf Sold dienenden Bar-baren in der römischen Armee, die Steigerung der unverschämtenForderungen ihrer Führer, die Thatsache, dass endlich alle diese Mieths-völker, Gothen. Vandalen, Sueven, Heruler. Alanen, Sarmaten u. s. w.ihre Waffen gegen eben die kehrten, welche ihnen Tribut zahlten, sowiedass sie gerade die Provinzen, welche sie schützen sollten, von Kom ab-rissen. Dies Alles lässt keinen Zweifel darüber, dass die Barbaren in demMaasse wie sie sich von der Ohnmacht des römischen Reiches überzeugtenauch ihre Forderungen steigerten und die eine Hälfte, das WeströmischeReich, nicht durch ihr kriegerisches Wesen allein und ihre Tapferkeit zer-störten. Rom, seine Kaiser und sein Heer hatten ihre eigene Macht unter-graben, und namentlich das Heer hatte, auf dem Gipfel seiner Macht ange-langt, deren Erhaltung die Mittel und Leistungsfähigkeit des Staates über-schritt, diese selbst vernichtet, die Quellen seines Unterhaltes erschöpft,

*) micrcus = träge, feige. Anmerk. d. Uebers.

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