02. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 449
Und der Kaiser Decius suchte die Rettung der Kaiserwürde in der that-säcblichen Wiederherstellung des Censorenamtes in dessen alter Bedeu-tung, ohne sie darin finden zu können.
Die grösste und schwerste der dem Fiscus zufallenden Ausgabenwar noch lange nach Alexander Severus die für den kaiserlichen Hof halt,da der Kaiser gleichzeitig die oberste Spitze des gesammten Heeres war.Das Streben der Kaiser nach persönlichem Prunk, die Vermehrung desLuxus und des Aufwandes am Hofe und dem zu Folge die Einführungneuer drückender Steuern nahmen immer mehr zu. Aber auf der andernSeite nahm auch die Verminderung des Vermögens von Staat und Pri-vaten und die allgemeine Verarmung in gleichem Maasse zu, besondersin der niederen arbeitenden Klasse des Volkes, und ebenso das Missver-hältniss zwischen Nachfrage und Angebot, zwischen Einnahmen und Aus-gaben des Fiscus für den Hof und das Heer.
In der vierten und letzten Periode (284—476), und zwarschon unter Diocletian, gewann das Heer in der allgemeinen Meinung denCharakter — nicht des bewaffneten Schirmes und Schutzes für den Staaf,sondern einer rein persönlichen Kriegsmacht, der Kaiser nicht gegenäussere Feinde, sondern gegen den Staat selber. Unter Kriegsdienstverstand man schon die persönliche Dienstleistung, die man nicht demStaate, sondern dem Kaiser erwiese, — wie man sich damals aus-drückte: in sacro palatio militare. Der Unterhalt dieser Dienst-thuer fiel lediglich dem Fiscus zu, welcher bereits ausschliesslichKriegsschatz zu sein aufgehört und sich in einen Hofhaltsschatz ver-wandelt hatte. Die Ausgaben desselben und mit diesen zugleich die ge-waltsamsten Mittel zu deren Deckung wuchsen mit erschrecklicherSchnelligkeit und in ungeheuren Dimensionen. Seit Diocletian's Zeitenkamen zu diesen bisherigen Mitteln noch zwei neue: die indictio unddie lustratio, schwere und verheerende für das Volk, die die ein-stimmigen bittersten Klagen aller gleichzeitigen Schriftsteller, der heidni-schen wie der christlichen ohne Unterschied, hervorriefen. Die lustratiowar eine Art Auflage auf das Vermögen, die indictio auf den Landbesitzauf Grund vorgenommener Katasteraufnahmen. Die indictio wurde theilsin natura, in Getreide, Wein, Butter, Pferden etc., theils in Geld undvorzugsweise in Gold abgezahlt, sie war zum grössten Theile für den
war, doch jedenfalls von der christlichen Eeligion und Sitte sehr beeinflusst wurde,was sich denn auch bei der Erziehung Alexanders geltend machte. Es genügtzu sagen, dass er Christum sehr verehrte, dessen Bildniss unter den anderen der ihnbekanntesten Wohlthäter der Menschheit aufbewahrte, viele christliche Gebotewiederholte und hielt u. s. w-, — und dies Alles schon in der ersten Hälfte desdritten Jahrhunderts.
Galitzin, AUgero. Kriegsgeschichte. I, 5. 29