448 IV. Von Augustus bis zum Diniergang Lies Weströmischen Reiches.
schlagen, was, dem heutigen Werthe des Goldes entsprechend, etwadrei Mal so viel bedeutete (d. h. 300 Mill. Thlr.)!
Obgleich Jedermann das Uebermaass dieser colossalen militärischenAusgaben anerkannte, welches schliesslich unvermeidlich zu dem Ruinund Untergange des Reiches fuhren musste, so hatte das Uebel dochschon so feste Wurzeln geschlagen, dass sogar den besten und von den red-lichsten Absichten geleiteten Kaisern dieser Periode es unmöglich war,diesen Untergang aufzuhalten, oder auch nur ihn zu verzögern. Wennnoch eine Umbildung der ganzen militärischen Einrichtungen möglichgewesen wäre, so hätten wohl die ebenso sehr die Schonung des Staatesund seiner Einwohner bezweckenden, als mit Weisheit und Kraft ge-paarten Maassregeln des Alexander Severus von Erfolg in dieser Rich-tung gekrönt sein können. Bei Ausführung seines in dieser Absicht be-gonnenen Unternehmens suchte er Liebe zum Kriege, nicht aber Furchtvor demselben zu zeigen. Die strengste Sparsamkeit in allen Zweigender Staatsökonomie lieferte das Gold und Silber für die gewöhnliche Be-soldung wie für aussergewöhnliche Belohnungen an die Truppen. Ererliess dem Heere die lästige Verpflichtung, bei den Feldzügen für17 Tage Proviant bei sich zu tragen. An den Kriegsstrassen legte erMagazine an, in fremden Gegenden wurde eine regelmässige Zufuhr ausdiesen Magazinen mittelst Maulthiere und Kameele und damit ein regel-mässiges Truppen-Verpflegungssystem organisirt, er hielt die Kriegerzur Ordnung an und von willkürlichen Erpressungen bei den Einwohnernab. Da er nicht zu hoffen wagte, sie gänzlich vom Luxus zu entwöhnen,so suchte er wenigstens diesem Luxus eine andere Richtung zu geben,auf kriegerischen Prunk, schöne Pferde, reiche Waffen u. s. w. Alle Be-schwerden, die er den Truppen auferlegte, theilte er mit ihnen, er be-suchte die Kranken und Verwundeten, Hess sich stets über den Dienstder Soldaten und die ihnen ertheilten Belohnungen genau informiren,und indem er so die wärmste Aufmerksamkeit und Theilnahme amKriegerstande zeigte, von dessen gutem Zustande, wie er häufig äusserte,das Wohl des Staates abhing, bemühte er sich, die zügellose Soldateskain der mildesten Weise zur Ordnung und Gehorsam zurück zu führenund ebenso die militärischen Ausgaben zu vermindern und in Ordnung zubringen. Aber alle seine trefflichen und weisen Bemühungen waren ver-geblich: seine Umbildungsversuche dienten nur zur Verschlimmerungdes Uebels, welches er ausrotten wollte, und er wurde von denselbenSoldaten umgebracht, denen er so viele Wohlthaten erwiesen hatte*).
*] Wir erinnern bei dieser Gelegenheit daran, dass wie schon früher (§. 362) be-merkt wurde, er in den Grundsätzen reiner Sitten durch seine Mutter Mammaen er-zogen worden war, welche, wenn sie auch nicht, wie Orosius behauptet, Christin