62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 447
immer neuen Belohnungen bewogen. fand kein anderes Mittel, sie zubefriedigen, als dass er alle Einwohner der Provinzen zu römischenBürgern machte, lediglich, um ihnen die entsprechenden Abgaben auf-erlegen zu können, welche er gleichzeitig von 5 auf 10 pCt. erhöhte.Einige Zeit lang wurde auch das Vermögen verurtheilter Staatsverbrecherganz oder zum Theil, je nach der Strenge des Urtheilsspruches vomFiscus eingezogen. Diese Quelle wusste man bisweilen sehr ergiebig zumachen. So Hess Commodus, wie Dio Cassius angiebt, als es ihm anGeld für seine maasslose Verschwendung mangelte, ganz unschuldigePersonen auf erdichtete Verbrechen anklagen, um sich ihres Vermögensbemächtigen zu können, und diese opferten entweder ihr Vermögen, umihr Leben zu retten, oder sie wurden hingerichtet und ihr Besitzthum zuGunsten des Fiscus confiscirt. Plinius sagt; dass dieser letztere einerRäuberhöhle gleiche, angefüllt mit dem geraubten Eigenthum unschul-diger und ermordeter Bürger. Es gab noch viele andere Einnahme-quellen für den Fiscus, auf welche die Nachfolger des Augustus einzigihren militärischen Despotismus gründeten, und darunter so niedrige undgemeine, dass man sich schämt, sie zu nennen, zu denen man aber ohneScham griff, — so gross waren die kriegerischen Forderungen und Aus-gaben. Um die letzteren zu Ende dieser Periode beurtheilen zu können,muss bemerkt werden, dass für den etatsmässigen Stand von 30 Le-gionen (und häufig waren deren noch mehr) jede zu 12,000 Mann, eineBesoldung von im Ganzen 360,000 Mann erforderlich war. Jeder Fuss-legionar erhielt jährlich 12 Goldstücke, jeder Reiter 36. Da die Reitereiein Achtel des Fussvolkes betrug, so erhielten die 315,000 Mann Fuss-volk (jeder 12 Goldstücke jährlich) im Ganzen 3,780,000 —, und die45,000 Mann Reiterei (jeder 36 Goldstücke jährlich) im Ganzen 1,620,000,— Alle zusammen also 5,400,000 Goldstücke oder etwa 27,000,000 Thlr.das Jahr, und zwar sind hierbei nur die unteren Chargen berechnet.Fügt man diesen Summen noch die Geldbelohnungen hinzu, die unterCaracalla sich auf ca. 17,000,000 Thlr. beliefen, so erreichten die ge-sammten nur für Personen zu zahlenden Ausgaben an Gehalt und Be-lohnungen die Höhe von 44 Mill. Thalern im Jahre!
Zieht man aber in Erwägung, dass noch sehr viele andere militäri-sche Ausgaben vom Fiscus gefordert wurden: Ausrüstung und Unterhaltder Flotten, der Belagerungs-Maschinen und -Geschütze, die Ausführungvon Befestigungen, die den Legionen späterhin gelieferte vollkommeneAusrüstung mit Waffen etc., zur Zeit Marc Aurel's auch noch gebackenesBrod statt der Körner, ohne Abzüge vom Solde, ferner noch Gehalt undUnterhalt der Offiziere und der Chargen der militärischen Verwaltung, sokann man die Totalsumme aller militärischen Ausgaben unter den Kai-sern zu dieser Periode mindestens auf 100 Mill. Thlr. jährlich veran-