62i Allgemeiner Ueberbliek über die Kriegsgeschichte des Alterthuvns 445
ääss eine so bemessene Geldbelohnung ihnen jedesmal gebühre, wennsie ihren Feldherrn nach Rom begleiteten. Ja, für jeden seiner Persongeleisteten Dienst waren sie von ihm ausserordentliche Geldbelohnungenzu erwarten gewohnt. Unter den Nachfolgern des Augustus griffen be-sonders die despotischen, argwöhnischen oder schwachen Kaiser zudiesem Mittel; die Truppen wussten, dass sie von ihnen erlangen wür-den, was sie vom Senate niemals erreicht hätten.
Die Belohnungen in Gelde für die Truppen hiessen donativa (Ge-schenke) ; sie hätten eigentlich aus derPrivatchatoulle der Kaiser gezahltwerden müssen, nach Dio Cassius aber wurden sie fast jedes Mal ausdem aerarium oder fiscus gegeben, welche man allmälig als Privatschatzder Kaiser anzusehn sich gewöhnt hatte. Vegetius bemerkt, dass dieKrieger die Hälfte der Geldgeschenke zur Aufbewahrung abgeben muss-ten, um von Verschwendung und von der Flucht abgehalten und zurTapferkeit und Erlangung von Kapitalien angereizt zu werden, wahr-scheinlich auch, um damit eine Bürgschaft für die Treue und den Eiferder Truppen zu besitzen. Zu diesem Zwecke waren bei jeder Cohorteeine, in der Legion also zehn Börsen oder Geldbeutel zur Aufbewah-rung der unantastbaren Belohnungsantheile vorhanden. Ausserdem legtedie Legion in denselben noch die Gelder für Bestattungskosten nieder.Diese Börsen oder Kassen wurden vor den Adlern [ante signa) mit denBeiträgen gefüllt und dann den Adlerträgern anvertraut. Diese Maass-regel bewahrte aber die Soldaten dennoch nicht vor Verschwendung.
Galba war der Erste, der dem Heere Geldbelohnungen verweigerte,indem er sagte, dass »er gewohnt sei, die Soldaten auszuwählen, nichtaber zu kaufen«; aber theils besass er nicht die Kraft, diesen seinenWorten entsprechend zu handeln, theils waren die Truppen schon zusehr vom Miethlingsgeiste angesteckt und davon durchdrungen, dasssie nicht dem Staate und den Kaisern dienten, sondern die Kaiser ihnen,sie fielen daher von Galba ab und ermordeten ihn. Hundert Jahre späterwar dieses dermassen angewachsen, dass nach der Ermordung des Per-tinax die Prätorianer die Kaiserwürde öffentlich, wie eine Handelswaare,Demjenigen feilboten, der das meiste Geld bezahlte und sie dem DidiusJulianus zuschlugen, welcher 6250 Drachmen versprochen hatte, undnicht dem Schwiegervater desPertinax, Sulpicianus, der nur 5000 Drach-men geboten hatte! Später vertheilte Caracalla, wie Dio Cassius er-zählt, an 70 Millionen Drachmen [etwa 1,700,000 Thaler) jährlich andas Heer! Er trieb die von Septimus aufgestellte (durch die Umständeerzwuugene und mit Verstand und in gewissen Grenzen anwendbare)Kegel, »sich die Neigung der Truppen zu .sichern, alle übrigen Unter-thanen aber für Nichts zn achten«, bis zu der äussersten Höhe des Miss-brauchs. Um sich das Heer geneigt zu machen, erniedrigte er sich sogar