442 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Diese Ursachen waren von wesentlichem Einflüsse auf den Unter-halt der Truppen in den Provinzen nach jeder Hinsicht. Indem die Prä-toren sich hereicherten und das Land ruinirten, setzten sie auch dieTrappen, welche darin standen und für deren Bedürfnisse und Interessensie nicht genügend sorgten, in die Lage, auf ungesetzliche, ungeordneteund gewaltsame Weise sich das zu verschaffen, woran sie Mangel litten.Uebrigens waren bis zu Ende dieser Periode alle diese Erscheinungennoch nicht allgemein, sondern mehr vereinzelte Ausnahmen von der all-gemeinen Regel, von den Gutgesinnten strenge getadelt, und derUnterhalt der ganzen römischen Heeresmacht ward dadurch noch keines-wegs in Frage gestellt. Im Gegentheil war sie noch immer wesentlichdadurch gesichert, dass der Sinn der Mehrheit des römischen Volkesnoch immer ein edler, und ihr Streben noch immer auf das hohe Ziel,den Ruhm Korns, gerichtet blieb. Beweise dafür finden wir bei TitusLivius, besonders in der sehr schönen Bede an seinen. KriegsgefährtenSpurius Ligustinus, der mit Ehren und Auszeichnung 22 Jahre in ver-schiedenen Ländern unter verschiedenen Feldherren gedient und vonihnen allen ehrende Belohnungen erhalten hatte. Diese Rede (im 32.bis 35. Kap. des42. Buches desT. Livius) giebtZeugniss von der erhabenenund edlen Denkweise und Sinnesart der römischen Bürgerschaft (zur Zeitdes ersten macedonischen, des Krieges gegen Antiochus u. s. w., inden Jahren 182—160 v. Chr.).
In der dritten Periode, von Augustus bis zu Diocletian, tritt indem Unterhalte der römischen Truppen und dessen Administration eineerhebliche Veränderung ein. Augustus hatte erkannt, dass Derjenige,welcher die Trappen befehligt, in Bezugnahme auf deren Unterhalt undBesoldung aber von Andern abhängt, ohne rechte Macht ist, Derjenigehingegen, der die Macht über die Truppen und die Gelder hat, zugleichauch die über den Staat besitzt, er richtete deshalb sein Hauptaugenmerkauf Erlangung der vollen und unbeschränkten Verfügung über die Mittelzur Unterhaltung der Truppen. Den Fehler Cäsar's, welcher sich desStaatsschatzes bemächtigt und dadurch seine Popularität eingebüssthatte, wusste er zu vermeiden; indem er den Staatsschatz in der Handdes Senates beliess, gründete er einen andern ausschliesslichen Kriegs-schätz (aerarium militare), dessen Einkünfte zunächst der Senat fest-setzen musste, während Augustus allein über die Ausgaben verfügte;bald gingen aber die einen wie die andern gänzlich in die Hände desAugustus über. Solchergestalt hatten die römischen Kaiser schon vonAugustus an sich allmälig vollkommen in Bezug auf die Auszahlungdes Soldes an die Truppen vom Senate unabhängig gemacht. Sie konn-ten , wenn und um wie viel es ihnen beliebte, die Löhnung erhöhen,