02. Allgemeiner UebeiMck über die Kriegsgeschichte des Älterthums. 441
und in deren Folge die gute Verwaltung der eroberten Provinzen grosseWichtigkeit und Werth. Deshalb richtete bis zum Beginn der Bürger-kriege der Senat auch seine besondere Aufmerksamkeit auf eine guteVerwaltung dieser Provinzen, sowohl in bürgerlicher wie in kriegerischerHinsicht, und nicht zu dem Zwecke der Bereicherung, sondern dem mög-lichster Schonung. Später freilich änderte sich dies vollkommen, undbei der fest in|s Auge gefassten Aufgabe der Welteroberung und Be-herrschung , bei der Verbreitung von Luxus und Sittenverderbniss, dientedie Verwaltung der eroberten Provinzen nur noch zur Verheerung undAussaugung derselben und zu der Bereicherung der Statthalter mit allengesetzwidrigen Mitteln.
Bis zu dieser Zeit war nach der Eroberung einer neuen Provinz undErnennung des Statthalters für dieselbe die erste Handlung des Senatesimmer gewesen, den Kriegsetat derselben mit einem Quästor bei derVerwaltung festzustellen. Dieser Quästor sollte neben allen seinen obenangegebenen Obliegenheiten vornehmlich für die Einrichtung einerKriegsbasis in dieser Provinz und in jeder Hinsicht Sorge tragen , einerBasis für weitere Operationen in einer oder mehreren angrenzenden Pro-vinzen, besonders nach der Seite der Verpflegung der darin operirendenTruppen. Und bei dem oben erwähnten Systeme des Senats konnte einesolche Art von Verwaltung der Provinzen doppelt nützlich werden, so-wohl für diese Provinzen, wie für die römischen Heere, wie für denganzen Staat, wenn sich dem nicht zwei Ursachen unangenehm ent-gegengestellt hätten. Die erste war die Verpachtung der Einkünfte derProvinz an in Rom lebende Personen, welche die Einkünfte an Ort undStelle durch Agenten einsammeln Hessen und sich, wie die letzteren, aufKosten der Provinz bereicherten. Die reich gewordenen Pächter tratenin den Stand der equites oder Ritter und erlangten mit der Zeit einenpolitischen Einfluss in Rom, so dass es ganz unmöglich wurde, an dieAbschaffung dieser schädlichen Pachte der Einkünfte zu denken. Dieandere Ursache war die, dass die Statthalter der Provinzen und ihre Un-terbeamten nicht allein diese Provinzen nicht schonten, sondern. mit denPächtern unter einer Decke steckend, zu Jener wie zu ihrem eigenenNutzen verfuhren und sich in ungesetzlicher und ganz unglaublicherWeise bereicherten, die Provinzen aber aussogen. Sie entblödeten sichnicht, den Städten grosse Contributionen aufzuerlegen, so dass diese ge-wissenlosen Steuern den besonderen Namen vectical praetorium,Revenue der Prätoren, erhielten, aus dem später die andere Bezeichnungepidemeticum hervorging. Der Zustand der Provinzen hing dahervollkommen von der grösseren oder geringeren Rechtschaffenheit oderUnehrlichkeit solcher Statthalterprätoren ab, wie Cato oder Verres,Cicero oder Appius Claudius.