tS2. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 439
nur für Freigelassene passend erachtet. Dies erscheint ziemlich be-fremdlich, weil die Quästoren jährlich wechselten, und alle Details derKriegsökonomie-Verwaltung speciell den Schreibern oblagen, welche,wie Plutarch bemerkt, vorzugsweise alle diese Verwaltungsangelegen-heiten allein führten; Cicero sagt sogar geradezu, dass die Römer nurdas als gesetzlich anerkennen müssten, was die Unterbeamten derQuästoren und der Censoren dafür erklärten. Auf diese Weise hatten alsodie Männer, welche zum Personal der kriegsökonomischen Administra-tion gehörten, da sie nicht zu der Klasse der römischen Bürger zählten,sondern unter diesen und ausserhalb des Volkes und Heeres standen,keine mit jenen zusammenfallende, sondern oft sogar ganz entgegenge-setzte Interessen. Und dies musste natürlicher Weise von grösseremoder geringerem Einflüsse auf den Wohlstand des Heeres, ja des Staatesüberhaupt sein. Die Freigelassenen theilten mit den römischen Bürgernnicht jene Ehrlichkeit, welche die Geschichte als deren grösste Tugendhinstellt und so hoch preist. Plutarch sagt, dass, als der jüngere Catozum Quästor ernannt wurde, er selbst in alle Details der Quästur ein-ging und viele theils unwillkürliche, theils absichtliche Nachlässigkeitenund Missbräuche der Unterbeamten aufdeckte, welche ihn deswegenhassten und auf jede Weise ihm zu schaden trachteten. Aus Allem, wasPlutarch überhaupt hierüber erzählt, geht hervor, dass diese Klasse vonLeuten sich grosse Missbräuche aller Art um so mehr erlaubte, als sie nurgeringes Gehalt erhielten und ihre Aemter käuflich waren. Die Schrei-ber wurden im Allgemeinen in Decurien zu 16 eingetheilt, von ihrenVorgesetzten versetzt und befördert, waren aber auf Lebenszeit undunabsetzbar angestellt. Ausser ihnen hatten die Quästoren in den Pro-vinzen noch Dolmetscher [interpretes] bei sich, und bei dem Staatsschatzegab es noch tribuni aerarii, durch deren Hände, wie es scheint, auch derSold der Truppen ging, über welche aber weitere Nachrichten nicht vor-liegen. Aus diesem Allen folgt überhaupt, dass bei den Römern in dieserZeit eine geregelte und ausgedehnte militärisch-ökonomische Verwaltungmit vollem Personal und zweckmässiger Organisation und Arbeitstheilungbestand.
Die Verwaltung der eroberten oder von römischen Heeren besetztenLänder und Provinzen war eine verschiedene: zur Zeit der Kriegsopera-tionen, und nach denselben. Im ersteren Falle konnten weder Requisi-tionen, noch unregelmässige Fouragirungen, noch der für einen halbenMonat ausreichende Proviant, welchen die römischen Soldaten mit sichführten, von der Notwendigkeit einer im Rücken der Armee liegendenVerpflegungs- und anderweitigen Operationsbasis entheben. Dies warbegründet theils darin, dass die Kriegsoperationen nicht selten sichlange ausdehnten und bei Beginn derselben es schwierig war, auf dem