(52. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 437
Nachdem die Eroberungen von Italien und ausserhalb Italiens voll-bracht waren, vermehrten sich die Quellen des Unterhaltes für das Heerbedeutend, sie zerfallen theils in zufällige und unbestimmte, theilsin fortlaufende, beständige. Zu den ersteren gehörten: derErlös für die, nach der Sitte jener Zeit als Sklaven ver-kauften, Kriegsgefangenen, 2) die Kriegsbeute, d. h. allesim eroberten Lande Weggenommene, ohne Ausnahme, 3) alles Werth-yolle an barem Gelde, Metallen u. s. w., ebenda gewonnen, 4) dieAbgaben aus dem eroberten Gebiet, in Gestalt von Kriegscontribu-tionen, Lebensmitteln, Bekleidungsmaterial, Waffen. Zelten, Pferden,Schiffen u. s. w., und 5) der Tribut, welcher den Einwohnern solchesLandes behufs Zulage oder Besoldung für die Truppen auferlegt wurde.Alle diese Quellen lieferten ungeheure Mittel.
Aber zuverlässiger waren die fortlaufenden Quellen: 1, dieKopfsteuern und Zölle, wie von den Römern, 2) die Grund-steuern aus den Erträgen des Landes, Vieh u. s. w., 3) dieAbgaben von Naturprodukten des Landes, welche theils zurVerpflegung der Truppen im eroberten Lande dienten, theils in die Vor-rathsmagazine zu Rom flössen, wobei der Transport dieser Vorräthe vor-zugsweise zur See oder auf den Flüssen, weit seltener zu Lande auf Last-thieren stattfand, deren es nicht viele gab Indessen hatte jede Legionihre bestimmte Anzahl an Lastthieren und Fahrzeugen, auf denen dieZelte nebst allem Zubehör, Waffen, Kleidungsstücken, Arbeitswerk-zeugen, Proviant, Wein u. s w. mitgeführt wurden. Alles dies wurdevon den Römern impedimenta (wörtlich: Hindernisse, nämlich fürraschen Marsch, der eigentliche Tross, h. Bagage] genannt. Aber Last-thiere (hauptsächlich Maulthiere) waren mehr im Gebrauche, als Fahr-zeuge, da sie leichter auf schlechten Wegen fortkommen konnten. Unterder Zahl der impedimenta befanden sich auch Pontons [ponticuli) für denBrückenschlag, die auf besonderen Wagen fortgeschafft wurden, und inihnen verschiedene Bagagestücke.
Bei der Verschiedenartigkeit der Quellen und der Zunahme der Aus-gaben für den Truppenunterhalt erforderte auch die Verwaltung der Ein-nahmen und Ausgaben dafür neue Einrichtungen. Hier ist vor Allem zubemerken, dass alle dem Staate gehörenden Gelder in der Staatsschatz-kammer [aerarium, von aes, aeris — Erz, woraus zuerst die Münzen ge-prägt wurden) gesammelt und aufbewahrt wurden, einem gemauertenGewölbe unter dem Tempel des Saturn im Capitol. Eine besondere Ein-theilung der Gelder in diesem Räume gab es nicht, aber eine besondereAbtheilung existirte, das aerarium sanctius, der heilige Schatz, inwelchem ein unantastbares Kapital für die äusserste Noth aufbewahrtwurde. Der Schatzbewahrer durfte nicht die kleinste Geldsumme ohne