62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 435
Die Kleidung der römischen Soldaten wurde früher schon hinreichendbeschrieben. Ursprünglich bestand sie aus der suhucula (einem aufblossem Leibe getragenen Hemde), darüber der tunica ohne Aerinel. undder toga darüber als Ueberwurf getragen, bei Regen oder Kälte fernerdie paenula mit Caputze. und die ihr ähnliche lacerna. Der Kopf bliebgewöhnlich unbedeckt, nur bei grosser Hitze wurde er mit einem Zipfelder toga bedeckt, oder es diente ein Hut mit breiten Rändern (Krampen)[petasus) oder ein kleiner Lederhelm (endo), oder endlich der eherneHelm {cassis) als Kopfbedeckung. Die Beine waren meist bloss, imWinter trugen die Krieger udones, eine Art lederner Strümpfe (Filzschuhevon Bockshaaren). Beinkleider (Hosen) trugen sie nicht und verachtetensie, als nur bei den Barbaren üblich (sie kamen erst nach Augustus inGebrauch). Als Fussbekleidung dienten caligae, eine Art Halbstiefel,soleae (Sandalen), auch calceus und sculponea (Holzschuhe/. Julius Cäsarsetzte eine Belohnung aus für die Erfindung einer besten, keine Feuchtig-keit durchlassenden Fussbekleidung, und wählte von den ihm vorgelegtenProben eine von Leder und höher hinauf reichende aus (in der Art derheute gebräuchlichen Stiefeln), indem er äusserte : isti valent (diese sindgut,; aus der Zusammenziehung dieser beiden Worte soll, nach der Mei-nung der Gelehrten, das spätere italienische Wort Stivale, und ausdiesem das deutsche Stiefel entstanden sein.
Die Bewaffnung ist früher beschrieben worden. Nach neueren Er-mittelungen betrug das Gesammtgewicht alles dessen, was der römischeSoldat auf dem Marsche trug, 60 Pfund (weit mehr, als das heute vondem Soldaten zu tragende). Die Kleidung beschafften sich die Kriegerselbst; möglich, dass in einzelnen Fällen der Staat das Material lieferte,gegen Abzüge vom Solde. Eine vollkommene Gleichheit der Bekleidung(wie heutzutage) existirte nicht, die Offiziere hielten nur auf Sauberkeitund Zweckmässigkeit derselben für die Gesundheit der Soldaten. Nimmtman hierzu noch die Hütten aus Brettern oder Schilfrohr und die späterenZelte aus Fellen, welche seit der Zeit des Pyrrhus stets den Truppennachgeführt wurden, so erhellt, dass des römischen Kriegers Gesundheithinlänglich gegen den Wechsel der Witterung geschützt war.
Die Geldkosten für den gesammten Unterhalt der Truppen nachEinführung des Soldes wurden aus den von den römischen Bürgern selbstgezahlten und ausschliesslich vom Senate festgesetzten Abgaben be<-stritten, das Volk hatte keine Stimme dabei. Das ist sehr wichtig, dennwenn das römische Volk die Abgaben hätte bestimmen dürfen, so wäreRom niemals im Stande gewesen, Armeen zu unterhalten, Eroberungs-kriege zu führen und die Weltherrschaft zu erlangen. Schon 6 Jahrenach der Eroberung von Veji murrte das Volk über die Abgaben, aber esbezahlte sie. Titus Livius erzählt, dass, je mehr die Truppenzahl sich ver-
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