(>"2. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 433
sieht, die Legionen für ihre bei Einnahme einer volskischen [Stadt be-wiesene Tapferkeit zu belohnen; im Hintergrunde aber lag der andereGedanke, dass es den Römern unbedingt und um jeden Preis gebotenschien, sich der festen und zu nahe bei Rom gelegenen StadtVeji zu bemächtigen, was aber in einem einjährigen Feldzuge unaus-führbar war. Daher der Beschluss, zum ersten Male die Einschlies-sung und Belagerung von Veji den Herbst und Winter hindurch fortzu-setzen , bis diese Stadt genommen sein würde; und um die Legionen,welche bis dahin an Herbst- und Wintercampagnen nicht gewöhnt wa-ren, leichter hierzu zu bewegen, beschloss der Senat nun noch speciell,hierzu ihnen für diese Zeit Löhnung zu zahlen, und mit Freude undDankbarkeit gegen die Senatoren, die Väter, stimmte das Volk diesemBeschlüsse bei. Die Löhnung der Soldaten diente also anfänglich nichtals Lockmittel zum Kriegsdienste, sondern nur zur Unterstützung derSoldaten während dieser Zeit. Auf diese Weise trat ein neues Stadiumvon Kriegsabgaben ein, das, schon weit bedeutender als alle früheren,allmälig zu einer dauernden und immer anwachsenden, zuletzt dann die-selbe Unermesslichkeit, ja Uebermass wie der Staat selbst, erlangendenEinrichtung wurde.
Der Sold (Stipendium) war ursprünglich für den Fusssoldaten auftäglich 2 obolus, für den Reiter auf 6 obolus = 1 Drachme festgesetztso giebt Polybius es nach griechischem Gelde an, wobei 1 Drachme =10 römische as war). Da Rom in der ersten Zeit gewöhnlich 4 Legionenunterhielt = 4000 Mann zu Fuss und 300 Mann zu Pferd, so erhieltendiese täglich 6534 Drachmen (d. h. also, die Drachme zu ca. 5 Sgr. be-rechnet, etwa 1090 Thaler oder jährlich 398,000 Thaler) *). Man kannhiernach leicht berechnen, in welchem Umfange diese Steuer mit der Ver-mehrung der Anzahl und der Kopfstärke der Legionen zunehmen musste.Es ist dabei noch in Erwägung zu nehmen, dass zu jener'Zeit Gold undSilber in Italien sehr selten waren (Silbermünzen kommen erst um's J.485 nach Gründung Roms, oder 267 v. Chr., Goldmünzen erst im 547.Jahre der Gründung oder 205 v. Chr. in Rom vor). Bis zum zweitenpunischen Kriege standen 10 römische Kupferas einer griechischen Sil-berdrachme gleich, welche die Römer denarius nannten, in solchendenaren wurde den Fusssoldaten alle drei Tage, den Reitern täglich (je1 denarius) ihr Sold gezahlt.
Als in der Folge, wegen finanzieller Schwierigkeiten, der Senat ge-zwungen wurde Kupfermünzen von sehr geringem Werthe zu schlagen,nämlich aus 1 Pfund Kupfer nicht 10, sondern 12, endlich sogar 24 as, er-
*) Da die Drachme ca. = 75 Pfg. galt, so ergeben sich noch höhere Zahlen:1035 Thlr. täglich, und 586,775 Thlr. jährlich. Anmerk. d. Uebers.
Galitzi n, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 5. 28