432 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
übrigens fast die einzigen Kosten dieser Art, denn die Soldaten erhieltenweder Sold noch Unterhalt, und mussten sieh selbst mit Kleidung, Waf-fen und Lebensmitteln versorgen. Aber das war nicht allzu schwierig,weil auch die kriegerischen Handlungen nach Ausdehnung und Zeitdauersehr beschränkt waren. Die Hauptnahrung der römischen Soldaten wäh-rend des Feldzuges bestand ursprünglich aus Mehlbrei [puls), später berei-teten sie in kupfernen Kesseln eine Art Brod [panis[clibanites) und ZwiebackJjuccellaturn) ; letzteren vielleicht aus demselben Mehl und in denselbenKesseln (oder Pfannen) gebacken. Mehlprovision hierzu trug jeder Sol-dat für fünfzehn Tage mit sich in einem ledernen Sacke oder Schlauche'auf dem Rücken, später an einem Lagerpfahl auf der rechten Schulter).Aber die Pferde der Reiterei kaufte und unterhielt die Regierung, undebenso war sie zur Beschaffung der für eine Belagerung nöthigen Ma-schinen und Geschütze verpflichtet. Titus Livius sagt, dass unter Ser-vius Tullius hierzu 10,000 Ass (1 Pfund Erz an Gewicht*)) bestimmtwaren. Ausserdem wurden den Consuln und Proconsuln im Frieden diemit Purpur verbrämten Mäntel [praetexta] , im Kriege aber die Zelte,sowie die Marsch- und Lagerrequisiten auf Kosten der Regierung gelie-fert. Die Ausgaben für alle diese Gegenstände waren jedoch noch sehrunbedeutend, selbst die für den Aufbau und die Erhaltung der Befesti-gungen Roms, wozu die Steinbrüche und Sklaven umsonst benutzt wur-den, und nur die Ernährung der Letzteren erforderte Geld. Die sämmt-lichen Kriegsbedürfnisse wurden im Allgemeinen aus öffentlichenAbgaben der römischen Bürger bestritten, bis zu Servius Tullius durchKopfsteuern, von da an durch Vermögenssteuer nach Schätzung (census).Titus Livius nennt die Kriegssteuern belli munia, woraus man schliessenkann, dass Kriegsbedürfnisse den Anlass zu derselben gaben und sieursprünglich ausschliesslich zu Kriegszwecken erhoben wurden. Uebereine militärisch-ökonomische Verwaltung in der ersten Periode ist Nichtsmit Gewissheit bekannt.
In der zweiten Periode, seit Einführung der Soldzahlung andie Truppen und demzufolge eines stehenden Heeres erlangten die Staats-flnanzen allmälig grössere Dimensionen , Verschiedenartigkeit und Com-plicirtheit, und erforderten grössere Gewandtheit in der Verwaltung.Der ursprüngliche Gedanke, den Legionen Sold zu zahlen, entstand imSenate 348 J. nach Gründung Roms, 404 v. Chr., zur Zeit des Kriegesgegen die Volsker. Der ausgesprochene Grund desselben war die Ab-
*) Rechnet man 1 Ass = 2—S 1 /» Sgl'., so sind 10,000 Ass = ca. 700 preuss. Thlr.,nach Richthofen aber = -1000 preuss. Thlr., dies erklärt sich vielleicht dadurch, dassunter Servius Tullius das Geld noch weit höheren Werth hatte, als später.