428 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Truppen nicht hinreichten, sondern ihr sogar entgegenwirkten und schäd-lich waren. Und da dies Uehel im Laufe der Zeit mehr und mehr zu-nahm, so ist es nur natürlich. dass neben vielen anderen Ursachen auchdieses den Verfall Griechenlands und dessen Unterwerfung durch Romherbeiführte.
6) Bei den Macedoniern sind bis zur Zeit Philipp 1 s und Alexan-ders d. Gr. Einrichtungen für den Unterhalt der Truppen historischnicht nachweisbar, vermuthlich aber waren es dieselben, wie bei allen imprimitiven Zustande befindlichen Völkern. Aber über ihr Vorhandenseinselbst unter Philipp und Alexander giebt es weit weniger Nachrichten,als über deren Bestand bei den Griechen. Das ist um so bedauerlicher,als nach vielen übereinstimmenden Angaben bei Diodor, Plutarch undQuintus Gurtras sie die gleichen Zwecke wie bei den Griechen gehabtzu haben scheinen, von deren Einrichtungen sie wohl auch nicht wesent-lich abgewichen sein mögen, da ja Philipp wie Alexander in Macedo-nien griechische Staatsformen, Civilisation, Sitten und Gebräucheeinführte. Ihr einziger Unterschied von den Griechen bestand unzweifel-haft darin, dass sie von einer monarchischen Regierung ausgingen,welche mehr Einheit und eine straffe Verwaltung im Allgemeinen, unddes Kriegswesens im Besonderen involvirte. Schon Philipp wird in derGeschichte dafür gelobt, dass er mit umsichtiger Sorgfalt für den Kriegmit Griechenland alles erforderliche Material an Menschen, Waffen, Gel-dern u. s. w. zusammenbrachte und hauptsächlich durch die vortrefflicheOrganisation seiner Kriegsmacht den Sieg gewann. Es ist hierbei ziem-lich verbürgt, dass die macedonischen Truppen Sold und Unterhalt ingleicher Weise empfingen, wie die Griechen.
Besondere Beachtung verdienen die kriegsökonomischen Maass-regeln Alexanders d. Gr. in seinen Kriegen, leider aber giebt die Ge-schichte nur sehr geringe Nachrichten darüber. Ein geistreicher franzö-sischer Schriftsteller bemerkt, dass, wenn die Geschichte von kriegs-ökonomischen Maassregeln und Anordnungen schweigt, dies bedeute,dass sie gut gewesen seien: wären sie nicht gut gewesen, so würde dieGeschichte dies hervorheben. Nehmen wir dies an, so kann man sagen,dass die bezüglichen Maassnahmen und Dispositionen Alexanders d. Gr.im Allgemeinen wahrscheinlich gute waren, da-die Geschichte ihrer sowenig Erwähnung thut. Als Grund davon lässt sich denken, dassAlexander d. Gr. mehr als irgend einer der Feldherren aus jener Zeitklar erkannt hatte, wie sehr das Heer von den zur Verfügung stehendenMitteln zu s'einer Verpflegung und seinem Unterhalte überhaupt ab-hing, und wie eine genaue Regelung dieses Verhältnisses erforderlichsei, und dass er es daher verstand, den Hauptfehler der damaligen Krieg-führung in dieser Hinsicht zu vermeiden.