Druckschrift 
Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
Entstehung
Seite
417
Einzelbild herunterladen
 

62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthuins. 417

oberste Gewalt erlangt hatte, vertheilte er an diese Landbesitz in einemKreise, welcher vordem den Kriegern zugesprochen gewesen war, wasdann Anlass zur Auswanderung der Kriegerkaste wurde.

Eine der hier dargestellten ähnliche Art- des Unterhalts derKrieger findet sich in der Geschichte anderer Länder und Völker seltenund setzt an und für sich eine schwer lastende Verpfüchtnng für die dasLand bebauenden Krieger voraus. Nähere Details über diesen Modusgiebt die Geschichte nicht, obgleich die genaue Angabe der Ausdehnungder den Kriegern überwiesenen Ländereien den Schluss rechtfertigt, dassdiese Ländereien unter einer bestimmten und geregelten Verwaltungstanden.

3) Bei den Karthagern bemerken wir schon weit früher, als beiAegyptern, Mieths- und ständige Truppen und dem entsprechend aucheinen geregelten Unterhalt derselben. Wie im Speciellen dies organisirtwar und ausgeführt wurde, ist nicht gewiss. Aus den wenigen Nach-richten aber, welche wir besitzen, geht hervor, dass für den Unterhaltder Miethstruppen allgemeine Steuern eingeführt waren in Form von Ab-gaben Seitens der verbündeten, unter karthagischem Schutze stehendenStädte, der afrikanischen Unterthanen Karthagos, der auswärtigen Pro-vinzen, namentlich Sardiniens, und der Nomadenvölker Afrikas, vonden Letzteren in natura, von den übrigen in Gelde. Ausserdem gab es:1) Zölle und Auflagen, wichtiger noch, als die Abgaben, zum Unterhaltder Truppen, 2) Erträge aus den Minen, besonders in Hispanien, vorAllem aus den Silberminen bei Neukarthago, und 3) Kriegsbeute,welche in regelmässiger Weise (theils in Form von Requisitionen, theilsals Contribution) aus den Gegenden eingetrieben wurde, durch welchedie karthagischen Armeen zogen, oder in welchen sie operirten, wenndiese Gegenden nicht andernfalls der Plünderung ausgesetzt sein wollten.Die letztere Art von Beschaffung des Unterhaltes wendete Hannibal vor-zugsweise während seines ganzen Zuges aus Hispanien über die Pyre-näen , durch Gallien und die Alpen nach Italien und während seines17jährigen Aufenthaltes in Italien an. Von den Lebensmitteln, welchedie karthagischen Truppen mit sich führten, ist zu erwähnen Mehl, Wein,Butter, Granat-Aepfel (von den Römern »pimische« genannt), Feigen,Datteln, und besonders gesalzene Thunfische [scomber thynnus) . DieAbbildung dieses Fisches auf karthagischen Münzen lässt die Annahmezu, dass er einen Hauptbestandtheil der Verpflegung der Truppen bildeteund als Maass für den Werth anderer Verpflegungsobjekte diente. Dieswaren im Allgemeinen die Quellen und Mittel der Verpflegung und desUnterhaltes der karthagischen Miethstruppen, die hauptsächlichstendarunter sind aber die aus den regelmässig beigetriebenen Zöllen undden Minenerträgen. Die Verpflegung der Truppen erfolgte unzweifelhaft

Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte. I, 5. 27