410 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
Biger auch in Europa. Die Anwendung der Kriegswagen mit Sicheln,sowie der mit Bogenschützen und sogar mit Thürmen besetzten Elephan-ten, ist sehr alt, — in Asien schon in den ersten Monarchieen, bei Per-sern, Parthern u. s. w., in Indien, in Africa — im alten Aegypten, inNordwest-Africa, bei den Karthagern, Mauretaniern u. s. w. schon be-kannt. In Europa existirte der Gebrauch der Streitwagen in der ältestenheroischen Zeit Griechenlands, dann kam er abhanden, nach Alexanderd. Gr. aber verbreitete er sich aus Asien zugleich mit der Anwendungder gewappneten Elephanten, wie bei den Griechen, so später auch beiden Römern und über Asien, Africa, und theilweise über Europa. Inden Gegenden Asiens und Africas, besonders in den Wüsten, wo Kameel-zucht getileben wurde, kamen auch diese letzteren zur kriegerischenVerwendung in den Kämpfen, ausgerüstet wie die Elephanten, mit Bo-genschützen. Was die Pferde anbelangt, so kommt in Asien und Africa,wie bei Griechen und Römern in Europa, nach Alexander d. Gr., derGebrauch auf, dieselben ebenfal's mit schweren Panzern zu bedecken,ja sogar sie mit eisernen Spitzen auf'Stirn und Brust zu versehen, sonamentlich bei den schweren gepanzerten Reitern, welche bei den Grie-chen Kataphrakten hiessen. Aber Sichelwagen, Elephanten, Ka-meele und gepanzerte Pferde, bei den orientalischen Völkern in Asienund Afiica zu entschuldigen, wurden von Griechen und Römern, vonAlexander d. Gr. und Julius Cäsar gering geschätzt, verbreiteten sichaber nach dem Tode der beiden Letzteren bei den Römern unter denKaisern nicht alleiu iu Asien und Africa, sondern zum Theil auch inEuropa, und bezeichnen gleichfalls den Verfall der sittlichen Kraft undder Kriegskunst, mit welchem sie der Zeit nach zusammenfallen.
Im Allgemeinen waren alle die vorbezeichneten Arten von Waffenund von Mitteln zur Schädigung des Feindes, oder Kriegs mitteinim Alteii.hum gebräuchlich, vom Aubeginn der historischen Zeit bis zumUntergange des Weströmischen Reiches. Damit zugleich musste auchder Krieg im Alterthum, trotz häufiger aber lediglich auf Formen bezüg-licher Veränderungen, im Ganzen immer derselbe bleiben. Aber nichtallein ausschliesslich die Kiiegsmittel sind es, welche auf die Verände-rungen in der Kriegskunst Einfluss üben. Die inneren politischen Ver-hältnisse der Völker und Staaten kommen hierbei gleichfalls wesentlichzur Geltung. So lange diese nicht von Grund aus eine Umänderung er-litten, wie dies eigentlich erst nach dem Untergange des WeströmischenReiches geschah, so lange musste die Kriegskunst des Alterthums auchim Wesentlichen unverändert bleiben.