62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthuras. 409
schliessliche Nahekampf das Gegentheil, — die Mischung beider Kampf-arten die verständige Mitte und die wahre Kunst. Der Fernkampf dientezur Vorbereitung und Unterstützung des Nahekampfes, dieser letzterewar die Hauptsache und brachte die Entscheidung. Die kriegerischeErfindungskraft begnügte sich indess nicht mit den lediglich durch Wurf-geschosse erreichten Vortheilen, wenn ebenso der Kampf sich nicht alleinauf den im offenen Felde beschränkte. Die Nothwendigkeit eines Be-schützens der Wohnungen, später der Lager der Truppen, gegen plötz-liche Angriffe des Feindes führte zur künstlichen Befestigung derselben,namentlich auch der Städte, und dieses wiederum zur Erfindung und Ein-führung von Wurfgeschützen, welche bei Griechen und Römern Catapulteund Ballisten genannt wurden. Anfangs wurden diese Maschinen nur zuAngriff und Vertheidigung von Lagern und Städten angewendet, dannaber auch im freien Felde, nur waren sie hier von geringeren Dimen-sionen , leichter und handlicher. Daher wurden sie eingetheilt in:Festungs-, Belagerungs- und Feldgeschütze. Philipp und Alexandervon Macedonien waren die Ersten, welche sie im offenen Felde anwen-deten, aber nur bei Flusstibergängen, Vertheidigung von Engpässen,Wäldern u. dgl. Die Perser bedienten sich ihrer bisweilen auch gegenAlexander d. Gr. zum Schutze von Pässen. Festungen u. s. w. DieNachfolger Alexander's d. Gr., ebenso die Macedonier und Griechen inEuropa und Asien begannen schon sie häufiger im freien Felde anzu-wenden. Bei den Römern kamen sie noch mehr in Aufnahme nach denpanischen Kriegen und in den Bürgerkriegen, sogar unter Julius Cäsar,aber mehr zum Schutz der Lager und der Festungen. Jede Legion führte3(1 Feld-Catapulten und -Ballisten mit sich, deren jede durch 10 Mannbedient wurde. Unter den Kaisern dehnte sich die Anzahl und die An-wendung derselben im offenen Felde mehr und mehr aus, es erschienenunter denselben noch kleinere und leichtere, onager genannt, nach Vege-tius gab es sogar Handgeschütze, für einen einzelnen Mann bestimmt,die Scorpione genannt wurden. Aber bei den Griechen wie namentlichbei den Römern zeigte die übermässige Vermehrung der Anzahl undder Anwendung der Wurfgeschütze deutlich den Verfall der Kriegskunstund besonders der moralischen Kraft an. mit welchem sie der Zeit nachzusammen fällt. Als dem spartanischen Feldherrn Archidamus Cata-pulte gezeigt wurden, welche aus Sicilien gebracht waren, rief erverwundert aus: >> Die Tapferkeit ist entschwunden!« — und er hatteRecht.
Ausser allen den Waffenarten. von denen eben die Rede gewesen,ist noch der Streit-Sichelwagen, der gewappneten Elephanten, Kameeleund sogar Pferde zu gedenken, die alle im Alterthum sehr gebräuchlichwaren, ursprünglich und stets in Asien und Africa. dann mehr oder we-