02. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 407
Kraft verloren und zu verfallen begannen, da begann auch der Erfolgihrer Waffen und der Kriegsruhm dieser Völker zu schwinden und zusinken. Diese innere Kraft war eben eine moralische Kraft,deren Sinken stets den Verfall der Völker und Staaten nach sich zieht:wird das moralische Fundament untergraben und erschüttert, so brichtder ganze staatliche Bau zusammen. Auf diese sittliche Kraft war immervor Allem und über Alles von schädlichem Einfluss der Reichthum,welcher zu Luxus, Verweichlichung, Sittenverderbnissunddamit zugleich zur Abneigung gegen den Kriegsdienst, Mangelan kriegerischer Ausbildung und Kriegsfähigkeit, zumVerfall der militärischen Disciplin, des kriegerischenGeistes und aller jener Eigenschaften führt, welche manunter dem Namen militärische Tugenden zusammenfasst.Alle Vornehmeren und Reicheren im Volke entzogen sich der militärischenPflicht, deren ganze Last nun auf die grosse Masse der unteren Klassendes Volkes fiel. Das führte dahin, dass der Kriegerstand sich im Staatemehr und mehr isolirte, fremd wurde, und zur Entstehung von Söldner-heeren statt der Nationalheere. Die ärmeren Völker mit unver-derbten Sitten besiegten stets die in Reichthum corrumpirten, und ver-fielen in der Folge, nachdem sie selber reich geworden und in Sittenver-derbniss versunken, ihrerseits dem gleichen Schicksale. Die Perserunter Xerxes und Darius waren längst nicht mehr, was sie unter Cyrusgewesen, die Griechen nach dem peloponnesischen Kriege und nachihren Eroberungen in Asien nicht mehr dieselben wie vorher, die Mace-donier unter dem letzten Philipp nicht mehr, was sie unter Alexanderd. Gr. waren, die Römer endlich zur Zeit der Bürgerkriege und be-sonders des Kaiserreiches nicht dieselben, wie zur besten Zeit der Re-publik bis zum Ende des zweiten punischen Krieges. Die Kriegskunstvermag zwar sich auf demselben Standpunkte zu halten, ja sie ver-vollkommnet sich j wie dies bei den Griechen und Römern zur Zeit desVerfalles wirklich stattfindet, aber das ist vollkommen unwesentlich,wenn damit zugleich die sittliche Kraft erlahmt und endlich ganz er-lischt, — dann ist Alles verloren.
§. 452.Bewaffnung.
Die Bewaffnung der Menschen für den Krieg stand von Anfang anstets im Verhältniss zu ihrer staatlichen und sonstigen Bildung, zu deröffentlichen, staatlichen und militärischen Organisation. Je naturgemässerund einfacher die letzteren, desto einfacher und weniger complicirt war