406 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
Familienvater der Kriegslehrer seiner Familie und es übertrug siebsolchergestalt die Erfahrung der Väter auf die Söhne.
Aber ausserdem noch waren die Traditionen des Kriegsruhmes desVolkes Allen bekannt, Alle zogen daraus Belehrung und Begeisterung, —zunächst in den Volks-Gesängen (-Gedichten) und deren Sängern, späterin den Werken solcher Historiker, wie Herodot, Thueydides, Xenophonu.A. Die Geschichte des Volkes war auf diese Weise die Lehrerin derJünglinge und Männer, sie entflammte in ihnen den kriegerischen Geistund den Eifer zur Nachahmung der Thaten der Vorfahren.
Es ist augenscheinlich, dass ein solches System kriegerischer Er-ziehung und Ausbildung grossen Werth, mancherlei Nutzen und Vor-theile hatte, und wesentlich zu den Erfolgen der Griechen beitragenmusste.
Bei den Römern, als einem praktischen Volke war die kriegerischeErziehung und Bildung gleichfalls eine rein praktische und ebenso-strenge, wie in Sparta, aber sie hatte gar nichts Theoretisches. Sie ura-fasste körperliche und gymnastische Uebungen. zugleich aber auch takti-sche , neben welchen alle die Arbeiten und Uebungen einhergingen,welche im Kriege zur Anwendung kamen, z. B.: Bau von Lagern,Uebungsmärsche, Gefechtsmanöver u. s, w. Die Exercitien dieser Artentwickelten und vermehrten sich in dem Maasse, wie die römische Be-publik und die Kriegskunst in derselben zunahm. Als Uebungsfeld dientemeistens das Marsfeld in Rom, auf welchem schon Romulns seine Bürger-Krieger geschidt hatte. Später führte Scipio grosse taktische Uebungenaus, und zur Zeit der Bürgerkriege, unter Pompejus, Cäsar, Augustus,und den besten seiner Nachfolger gab es besondere Vorschriften hierfür.Von diesen Ausnahmen aber abgesehen, verfiel im Laufe der Zeiten diemilitärische Bildung bei den Römern mehr und mehr und gerieth gänz-lich in Misscredit.
Die militärischen Einrichtungen, auf die allgemeine Kriegspflicht ge-gründet, und die eng mit derselben zusammenhängende mehr praktischeals theoretische, aber ebensowohl moralische wie physische, militärischeAusbildung und Erziehung, waren es also, in denen die gewaltige Kraftder Völker des Alterthums überhaupt, besonders aber der Perser unterCyrus, der Griechen und Römer in der besten Zeit ihrer Geschichte,hauptsächlich unter Alexander d. Gr., Julius Cäsar und Augustus wur-zelte. Ihren militärischen Einrichtungen und ihrer militärischen Aus-bildung verdankten Griechen wie Römer vorzugsweise die ausserordent-lichen Erfolge ihrer Waffen und ihren Kriegsruhm, welcher so viele Jahr-hunderte überlebte und noch heute gerechte Bewunderung erweckt.Sobald diese militärischen Einrichtungen und Ausbildung ihre innere