02. Allgeraeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 405
dritten. Jede Klasse hatte ihre bestimmten Einrichtungen und Be-schäftigungen, die Knaben übten sich in Handhabung der Waffen, dieJünglinge und Männer in kriegerischen Uebungen, die Männer zogenausserdem in den Krieg. Die Greise über 45 Jahre alt, waren vomKriegsdienste befreit und erhielten die Staatsämter. Ausserdem wurdendie 3 ersten Klassen in allen körperlichen und sittlichen Kriegstugenden,Stählung des Körpers, Massigkeit, Enthaltsamkeit u. s. w. geübt. Auseiner solchen Kriegsschule waren auch Cyrus und die Gefährten seinerEroberungen hervorgegangen.
In ähnlichem Sinne wären auch die militärischen Schulen derGriechen und Römer organisirt. In ihnen wurden nicht allein die Knaben.Jünglinge und Bürger der einzelnen Städte unterrichtet, sondern auch dieMänner und überhaupt alle Bürger des Staates. In Sparta namentlichfing die militärische Erziehung schon mit der Geburt an und wurde biszum hohen Alter fortgesetzt. In allen Hauptstädten Griechenlands warenGymnasien, in welchen Gymnastik, Taktik und andere kriegerischeund nicht kriegerische Uebungen. Wissenschaften und Künste getriebenwurden. Diese Gymnasial-Erziehung und -Bildung hing eng zusammenmit der damaligen Bewaffnung und der Kampfart mit der blanken Waffe,sie hatte daher den Hauptzweck, damit vollkommen vertraut zu machenund die dazu erforderliche Körperkraft und Gewandtheit zu verleihen.Die öffentlichen Spiele (neme'ischen, pythischen, und besonders die olym-pischen) boten den Bürgern Gelegenheit und Möglichkeit, ihre Kunst vorallem Volke zu zeigen, sie entsprachen in gewissem Sinne unseren öffent-lichen Prüfungen. Und da sie Volksfeste und -Feiern waren, so erach-teten die Jünglinge und Männer es für eine besondere Ehre, an denselbenTbeil zu nehmen. in der Aussicht auf Erlangung ehrenvoller Auszeich-nungen für den Sieger. In diesen Gymnasien wurden auch taktischeUebungen vorgenommen, namentlich in Sparta. Dieser Zweig der mili-tärischen Ausbildung wurde besonders entwickelt und in ein regel-mässiges System gebracht bei den Macedoniern unter Philipp undAlexander d. Gr., ja es wurden sogar'mit hölzernen Waffen Muster-Schlachten ausgeführt.
Im Allgemeinen aber war die militärische Erziehung und Ausbildungweit mehr eine rein praktische, als eine theoretische. Nichtsdestowenigerexistirte bei den Griechen eine Art von Theorie der Taktik und Strategie,die zugleich mit Mathematik, und anderen Wissenschaften überall inGriechenland, hauptsächlich in Athen, aber auch Sparta nicht ausge-nommen, gelehrt wurde. Aber man lehrte sie nicht theoretisch ausBüchern, sondern praktisch, mündlich, und im Krieg geübte und er-fahrene Männer waren die Lehrer, — ein Verfahren, das seine unzweifel-haften und grossen Vorzüge und Nutzen hatte. In diesem Sinne war jeder