62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthmns. 1(JJ
Aber auch bei denjenigen Völkern, bei denen die allgemeine Kriegs-pflicht bestand, wurde für gewöhnlich nur ein bestimmter Theil der Streit-macht zum Kriege aufgeboten. Eins der ältesten Beispiele hierfür gebendie militärischen Einrichtungen der Hebräer unter den Königen Saul,David und Salomo. Unter David zählte man 1,300,000 kriegsfähigerüber 20 Jahre alter Männer; von diesen wurden aber nur 288,000 zurAbleistung des Kriegsdienstes herangezogen, in 12 Abtheilungen ä24,000Mann getheilt, die jeden Monat im Jahre abwechselten. Jede dieser Ab-theilungen that während des ihr zufallenden Monats den Wachtdienst.Unter dem unmittelbaren Befehle des Königs stand seine Leibwache.
Die kriegerischen Einrichtungen Cyrus I., des Aelteren, sind nichtweniger bemerkenswerth, obgleich der Zeit nach später. Die Erobe-rungskriege des Cyrus forderten die Aufstellung stehender Heere, welchetheils im Felde lagen (Feld-), theils in Städten garnisonirten (städtischeTruppen), jede unter ihren besonderen Führern. Die militärische Gewaltwar getrennt von der bürgerlichen. Jährlich fanden Truppen-Revüen anbestimmten Sammelpunkten in jedem Militärbezirke statt. Die Truppenwaren zu 10, 100, 1000 und 10,000 eingetheilt. Ausser den königlichenTruppen gab es auch eigene Truppen der Satrapen.
So ist der Anfang der stehenden Heere schon in den ältesten Zeitenzu bemerken und steht in natürlichem Zusammenhange mit der Bildungder grossen Monarchieen. Aus den Aeltesten oder Häuptern der Fami-lien, Geschlechter, Stämme, welche sie zum Kriege führten und über diesie die alleinige Gewalt hatten, — Verhältnisse, wie sie wahrscheinlichjeder Staatenbildung' vorhergingen —, wurden mit der Zeit Heerführerund Staatsregenten. und später Herrscher. Zur Aufrechthaltung ihrerMacht bedurften sie unzweifelhaft einer stehenden Heeresmacht. ImOrient, wo seit Alters sich grosse Staaten gebildet hatten und immer be-standen, unbeschränkte Monarchieen, mussten damit zugleich auch dieersten stehenden Heere entstehen deren Kern die Schaaren der kö-niglichen Leibwachen ausmachten) und einen wesentlichen Theil der ge-sammten Streitkräfte bilden. So sind die 10,000 Unsterblichen desXerxes ein stehendes Heer, der Kern, Haupt- und beste Theil der Kriegs-macht Persiens. Die anderen Truppen waren mehr oder weniger Pro-vinzial-Heeres-Aufgebote.
Dem ähnliche Erscheinungen bieten sich auch im Westen, in Europa,jedoch vorwiegend in der Periode der Völkerwanderung. Hier führteaber die Liebe dieser Völker zur Freiheit und ihr Hass gegen die unein-geschränkte Herrschaft und sogar gegen Alleinherrschaft zur Bildungvon Republiken mit Volksherrschaft. Dies übte aber einen fühlbarenEinfluss auf die militärischen Einrichtungen, wie auf den kriegerischenGpist dieser Völker. In den ältesten europäischen Republiken Hess die
Hallt zin, Allgem. Kriegsgeschichte. 1,5. 26