400 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.
liegend, und so durch alle folgenden Perioden des Mittelalters, der neue-ren und neuesten Zeit geblieben ist.
In Folge des oben erwähnten engen Zusammenhanges des Kriegs-wesens mit dem staatlichen Leben und der Bildung bezieht sich Alles,was oben von dem Gange, der Entwicklung und dem Standpunkte derLetzteren gesagt wurde, auch auf das Erstere und kann als Anleitungzu einer gründlichen, richtigen und wahren Beurtheilung desselben inden drei wesentlichsten, vorher angegebenen, Beziehungen dienen. Wirwenden uns zuerst zu den militärischen Einrichtungen und der militäri-schen Organisation überhaupt.*)
In dem Urzustände der Völker sind, je einfacher dieser ist, auchdesto einfacher die militärischen Einrichtungen, in dem Grade sogar,dass sie als eigentlich nicht existirend bezeichnet werden können. Jedererwachsene waffenfähige Mann war ein Krieger, der für sein Leben,seine Familie, seine Habe, Freiheit, seine Heimath kämpfte.
Die Hirten- oder Nomadenvölker waren stets zum Kampfe bereit undzogen mit ihrer ganzen dazu fähigen Mannschaft zu demselben aus. EinBeispiel dafür sind die Hebräer bei ihrem Auszuge aus Aegypten in dasGelobte Land, ebenso die Völker Nord-Europas und Asiens bei ihrenersten Wanderungen nach Westen und Süden im 3., 4. u. 5. Jahrb.n. Chr.
Aber bei den ansässigen, Handel, Gewerbe und Ackerbau treibendenVölkern machte sich die Notwendigkeit militärischer, im Einklänge mitdem öffentlichen Wesen und Organisation stehender Einrichtungen gel-tend. Wie verschieden dieselben auch im Einzelnen sein mochten beijedem Volke, sie hatten während des ganzen Alterthums eine und die-selbe Grundlage — die allgemeine Wehrpflicht.
Jeder Bürger war Soldat, das hob die bewaffnete Macht des Volkesoder Staates auf die höchstmögliche Stufe. Eine Ausnahme hiervonmachen nur einige der unbeschränkten Monarchieen Asiens und Africas,wie Aegypten, Indien, wo Kasten existirten, deren eine die Kriegerkastewar. Aber diese können .nicht zu den kriegerischen Staaten gezähltwerden, obschon sie die ältesten waren. In Aegypten sind die militäri-schen Einrichtungen des Sesostris bemerkenswerth; er theilte den Staatin 36 Nome oder militärische Bezirke, welche 160,000 Hermotybier und250,000 Kalasirier stellten, die an sie vertheilte Ländereien besassenund jährlich und abwechselnd 2000 Mann königliche Leibwache gaben.Hierbei ist zu beachten, dass Sesostris, wie man behauptet, die körper-liche Züchtigung im Heere abschaffte.
*j Wir sind hier der »Handbibliothek für Offiziere«, I. Bd., 1. Abth., Geschichtedes Kriegswesens des Alterthums (von Brandt) gefolgt.