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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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62. Allgemeiner Ueberblick über die Kriegsgeschichte des Alterthums. 399

Immer gleichen Schrittes neben diesen hergehend, heben sie sich gleichdiesen, erreichen die höchste Stufe ihrer Ausbildung, gerathen dann all-mälig in Verfall und treten ihren Platz an andere aufkeimende, sichentwickelnde und ihrerseits wieder verfallende Erscheinungen, zu an-deren Zeiten und Orten und unter anderen Acteurs auf der geschicht-lichen Schaubühne der alten Welt ab. So bietet in Bezug auf Zeit undOrt die Geschichte ihrer Entwickelung im Ganzen drei Hauptperioden:1) die des Anfangs im Orient, Asien und Africa, 2) die der weiteren,hohen und besten Entwickelung in Europa, in Griechenland, und 3)die der vollsten und abschliessendenHöheinEuropa, in Rom und dessenweitem Weltreiche. Auf jeder dieser Stufen hatten sie, wie der einzelneMensch und wie das menschliche Geschlecht im Ganzen ihre Abstufun-gen : Kindheit, Jugend, Reife und endlich Altersschwäche und Gebrech-lichkeit. Aber ihre Resultate erbten sich fort von der einen Generationauf die andere, von Jahrhundert auf Jahrhundert, in historischem Fort-rücken von Westen nach Osten und in alle Länder der im Alterthum be-kannten Welt, und auf diese Weise übertrugen sie sich auf die folgendenGeschlechter, Völker und Staaten, welche nach dem Falle des West-römischen Reiches sich in Europa bildeten , und dienten den neuen For-men des Lebens zur Grundlage.

Hierbei ist aber ein scharfer Unterschied zwischen ihrem Entwicke-lungsgange im Orient, in Asien und Africa, und im Westen, in Europa,in Griechenland und Rom nicht zu verkennen. Wenn dem Orient derAnfang und die Kindheit angehört, so fällt die weitere Reife und die Er-folge bis zur höchsten Endstufe dem Westen und besonders Europa zu,welchem Erdtheil schon im Alterthume beschieden war; in dieser Hin-sicht an der Spitze aller Welttheile zu stehen. In Europa machte sichschon von Alters her eine beständige ununterbrochene immer weitertreibende Vorwärtsbewegung geltend, während der Orient, nachdem ereine gewisse Höhe seiner eigenthümlichen Entwickelung erreicht hat,sich schon seit lange einer gewissen Unbeweglichkeit hingab, wenigstensin Bezug auf sein Vorwärtsschreiten nach dem Westen, in Europa. AlsBeweis dafür kann dienen sowohl das Misslingen des LieblingsgedankensAlexander's d. Gr., den Orient der griechischenCivilisation theilhaftig zumachen, als die Unempfänglicbkeit des asiatischen Orients, jenseits desEuphrat und Tigris, d. h. jenseits der Grenzen der römischen Republik,später Kaiserreiches, für die europäisch-griechisch-römische Civilisation,während die Barbaren von Nordeuropa leicht und rasch sich dieselbe aneig-neten. Mit Ausschluss des kurzen Zeitraumes nach dem Tode Alexander'sdes Gr. hatte der Orient stets seine eigenthümliche Staaten- und ander-weite Bildung, welche, von der griechisch-römischen wesentlich ver-schieden, sich daselbst dauernd behauptete, gleichsam unbeweglich fest-