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Abth. 1, Das Alterthum Bd. 5 (1878) Von Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches : (30 v. Chr. bis 476 n. Chr.)
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394 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Reiches.

erbeten hatte, und endlich von Seiten der Honoria, Schwester Valen-tinian's, welche, nachdem sie um eines Verhältnisses willen zu einemHöflinge in ein Kloster gesperrt worden, ihre Hand dem Attila anbot, umsich daraus zu befreien! Der Letztere, fest entschlossen, gegen das west-liche Reich zu den Waffen zu greifen, forderte die Hand der Honorianebst der Hälfte des Reiches als Mitgift. Dies wurde verweigert, undnun zog er im J. 451 mit seiner gesammten Streitmacht die Donau hin-auf, die Krieger aller an seinem Wege liegenden Stämme zur Vereini-gung mit sieb zwingend. Diese ganze unzählbare Masse (nach einigenAngaben 700,000800,000 Mann) überschritt den Rhein auf der ganzenLänge desselben vom Bodensee bis zur Niederung und drang in Nord-und Ostgallien ein. Attila selber ging über den oberen Rhein und mar-schirte längs dessen linkem Ufer hinab, verwüstete ganz Nord-Gallien,wandte sich dann nach Süden und belagerte Aureliannm (heutiges Or-leans) . Von hier durch Aetius und den Westgothenkönig Theodorich I.verjagt, zog er sich zurück und erlitt auf den catalaunischen Felderndurch Aetius und Theodorich eine solche Niederlage, dass er über denRhein zurück in seine Heimath ging. Im nächsten Jahre, 452, wandteer sich aufs Neue gegen das Westreich, aber nicht in Gallien, sonderngegen Nord-Italien, welches er unbeschützt fand, verheerte und aussog;im Juli lagerte er einige Zeit auf dem linken Po-Ufer bei der Mincio-Mün-dung. Hier, in einer zur Sommerszeit ungesunden und vom Fieber heim-gesuchten Gegend brachen in seinem Heere epidemische Krankheiten undPferdeseuchen aus. Dieser Umstand, verbunden mit den Vorstellungender aus Rom von Valentinian geschickten Gesandten, vornehmlich desbei Allen hoch angesehenen römischen Pabstes Leo I. , bewog Attila zumAbzüge aus Italien. Nun zog er abermals nach Gallien*), traf aber dortauf heftigen Widerstand von Seiten der Westgothen unter ihrem Anfüh-rer und Könige Thorismund, so dass er genöthigt war, zum zweitenMale ohne Erfolg >in seine Stadt an der Donau zurückzukehren. Hiernahm er zu der grossen Zahl seiner Weiber noch eine, die schöne Ildicooder Hildegunde, Tochter des germanischen Fürsten Herich, die bereitsmit einem Andern verlobt war, von dem Vater aber gegen ihren Willenan Attila abgetreten wurde. Die Vermählung ward mit ungewöhnlichemPrunke gefeiert, in der Nacht aber tödtete Ildico den schlafenden Attila.Nach andern Angaben starb Attila, von Natur im höchsten Grade sinn-lichen Ausschweifungen ergeben, in dieser Nacht an einem Blutsturz inFolge einer solchen Unmässigkeit. In jedem Falle war sein Tod seinesLebens würdig, und sein barbarisches Königreich stürzte, zum Glück,ebenso rasch zusammen, wie es entstanden war.

Dieses zweiten Einfalles in Gallien thut nur Jornandes Erwähnung.