61. Allgern. Ueberblick über die vom. Kriegsgesch. von Augustus bis 476 n. Chr. 393
hingerichtet. In den darauf folgenden Jahren wurden alle übrigen hun-nischen Stämme und ebenso die zwischen und neben ihnen wohnendengermanischen zur Unterwerfung unter Attila und Bleda gezwungen. Aufdiese Weise bildete sich allmälig und ziemlich rasch ein ungeheures hun-nisches Königreich und es fehlte auch nicht der Mann, der dasselbe zubefestigen vermochte. Dieser Mann war Attila. Die Anführer der hun-nischen Horden waren ihm ergeben, weil sie seine geistige Ueberlegen-heit anerkannten. Im J. 445 liess er seinen Bruder Bleda umbringenund war somit der alleinige Beherrscher des weiten Hunnenreiches. Umseine Macht durch die Religion zu sanctioniren, machte er sich den Aber-glauben der Hunnen zu Nutze. Ein hunnischer Hirt bemerkte, dass eineseiner Kühe sich auf der Weide den Fuss verletzt hatte. Er folgte dervon ihr hinterlassenen Blutspur, fand im Grase ein spitziges Stück Eisen,das in der Erde steckte und entdeckte, als er es herauszog, ein unge-wöhnlich grosses Schwert, das er zu Attila trug. Dieser nahm es alsdas Schwert des Kriegsgottes und verbreitete die Sage, als ob dies Schwertihm und den Hunnen vom Himmel herabgesendet sei als Zeichen ihrerzukünftigen Herrschaft über alle Völker der Erde. Von diesem Augen-blicke an begleitete das Wunderschwert den Attila auf allen seinen Zü-gen und wurde der Hauptgegenstand der Verehrung für alle ihm unter-worfenen Völker.*) Attila schlug seine Residenz in einer grossen höl-zernen Stadt auf, die nach ihm Attila's Stadt genannt wurde und inder Ebene zwischen Donau, Theiss und Karpathen lag. Von hier ausbedrängte er unaufhörlich das Oströmische Reich, verhandelte mit derRegierung desselben in der rohesten demüthigendsten Weise und tratmit einer Forderung nach der andern an dieselbe hervor. Und dieseRegierung fürchtete einen Krieg mit ihm in dem Maasse, dass , so langeder schwache Theodosins IL am Leben war, sie dem durch unterwürfigeGesandtschaften, Zahlung beträchtlicher Geldsummen und reiche Ge-schenke vorzubeugen suchte. Als aber nach Theodosins' Tode ; 450, seineSchwester Pulcheria ihm in der Regierung gefolgt war und ihren Gemahl,den Senator Marcianus, auf den Thron gehoben hatte, wusste dieser dieWürde des Thrones aufrecht zu halten und machte der sklavischen Un-terwürfigkeit gegen Attila ein Ende. Nun liess dieser das Reich in Ruheund wendete seine Aufmerksamkeit und seine Waffen gegen das west-liche Reich. Anlass dazu gaben die Bitten um Hülfe von Seiten Gense-rich's, der für seine Herrschaft inAfrica besorgt war, — von Seiten einesfränkischen Fürsten gegen einen andern, welcher von den Römern Hülfe
*) Es wurde früher (§. 399 und 400) erzählt, dass auch die Scythen und Sarmatenden Kriegsgott in Gestalt eines, ihnen vom Himmel herabgesandten, Schwertes ver-ehrten.