390 IV. Von Augustus bis zum Untergang des Weströmischen Keiches.
Alanen und Sarmaten, welche im Winter die zugefrorene Donau passirthatten, verstärkt und ergossen sich nun, ohne auf Widerstand zu stossen,über Thracien, Macedonien, Thessalien, drangen durch die Thermopylenselbst in Griechenland und den Peloponnes ein , das durchzogene Landfurchtbar verheerend und ausplündernd, und bedrohten sogar Italien(396).
Stilicho rüstete gegen sie, setzte mittelst einer Flotte mit' seinemHeere aus Kavenna nach dem Peloponnes über, marschirte gerades Wegesauf Alarich's Gothen los, besiegte sie in Arcadien, schloss sie in denBergen eng ein und hätte sie dort vollständig vernichten können, wenner nicht seine Zeit bei Gelagen und Festlichkeiten verschwendet hätte.Alarich schlug sich tapfer und geschickt durch Stilicho's ihn umstellendeTruppen nach Epirus durch und brachte dort eine neue Heeresmacht zu-sammen. Stilicho kehrte in Folge des Hasses und der Hindernisse,welche Eufinus ihm entgegensetzte, nach Italien zurück ohne Alarich'sNiederlage zu vervollständigen. Eufinus schloss im Namen des Arcadiusmit Alarich einen Friedensvertrag, kraft dessen er ihm die Würde einesmagister der Truppen im östlichen Illyrien übertrug, welche Provinz zumöstlichen Reiche gehörte. Alarich zog hiervon Nutzen um seine Truppenzu verstärken, und besser nach römischem Muster zu bewaffnen undauszubilden. Hier war es, wo die für Alarich begeisterten Gothen ihn ineiner Volksversammlung auf die Schilde hoben und ihn zu ihrem Heer-könig ausriefen. Auf diese Weise konnte nun Alarich, der König der Gothenund Feldherr des Arcadius, auf der Grenze zwischen beiden einanderfeindlichen Eeichen stehend, bald dem einen, bald dem anderen zu Hülfekommen und plante insgeheim wichtige Unternehmungen gegen das west-, liehe Eeich.
Endlich, nachdem er sich ausreichend dazu gerüstet, überschrittAlarich im J. 402 die julischen Alpen und drang in Norditalien ein, inder Absicht, auch im westlichen Eeiche dieselbe wichtige Stellung einzu-nehmen, welche er im östlichen inne hatte. Sein Einfall und Marschgegen Mediolanum versetzte Honorius und alle Bewohner Italiens undsogar Eoms in Bestürzung. Stilicho raffte alle Truppen aus Italien zu-sammen, Hess Eom in Vertheidigungszustand setzen, und eilte selbst nachGallien, zog die hier und in Gallien und Britannien und die in Germanienausgehobenen Truppen zusammen, und eilte dann nach Norditalien. ImJ. 403 in der Osterwoche zwang er Alarich bei Polentia (unweit Asti inPiemont) zur Schlacht, deren Ausgang zwar nicht entscheidend war, inwelcher aber doch die Hauptvortheile auf Stilicho's Seite blieben. Ala-rich zog sich mit Verlust seiner Bagage, und vieler Gefangener nach Ve-rona zurück, wo er eine neue Niederlage erlitt. Nun bewilligte Stilicho,zufrieden damit, dass er Jenen seine überlegene Macht hatte fühlen